- Gerte=Tierquälerei? Beitrag #21
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Mikki
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Damit hast du das eigentliche Problem beschrieben - es ist nicht die Gerte, es ist der Reiter, der sie falsch benutzt.....
Eine Gerte oder Peitsche grundsätzlich abzulehnen halte ich für wenig sinnvoll, denn dann müsste man alles ablehnen, womit ein Pferd falsche (schmerzhafte) Erfahrungen machen kann, und das kann ja irgendwie alles sein.
Ich sagte nur, ich lehne sie grundsäzlich ab. ;O) Das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Also natürlich ist ein richtiger & sachgemäßer Umgang mit jedem Hilfsmittel, also auch der Gerte, Voraussetzung von Gewaltfreiem reiten.
Allerdings muss ich dazu: sagen, dass ich dem nicht zustimmen kann. Ich habe bisher nur selten (vllt 2-3 mal) die Beobachtung gemacht, dass eine Gerte zum Schlagen benutzt wird.
Natürlich ist auch einmal, einmal zuviel, aber ich finde, dass man nicht übertreiben sollte...
Mal im Ernst, hast du schon mal dieses Geräusch produziert?
Ich nicht... dazu müsste man ziemlich fest zuhauen bzw. eine kurze Springgerte mit Lederlasche 'knallt' schon eher als eine normale oder Dressurgerte die eh eine ca. 5cm kurze Nylon-/Lederschnur am Ende hat.![]()
Also wenn ein Pferd vor so einem Geräusch (z.B. wenn man auf den eigenen Reitstiefel schlägt) wirklich erschrickt, dann stimmt etwas anderes nicht finde ich, denn überraschende Geräusche sollte ein Pferd nicht erschrecken.
Wenn überhaupt, dann, sollte es wie z.B. ein Zungenschnalzen lediglich Aufmerksamkeit erregen.
Das ein Pferd erschrickt, wenn es mit der Gerte geschlagen wird, ist klar und das meine ich damit nicht!
Im Übrigen kann ein Pferd schon Dinge als ‚Gefahr’ einstufen wenn es sie nicht kennt. Einfach wenn der Gegenstand bedrohlich wirkt (Plastiktüten, div. Veränderungen in gewohnter Umgebung ect), Pferde sind nun mal Fluchttiere und reagieren eher mit Vorsicht/Angst/Schreck als mit Ruhe/’Mut’ – darauf muss man sich als Reiter/Pferdführer immer einstellen.
Das Wort Warnung ist denke ich unglücklich gewählt.
LG Lilly
Hallo Lilly, zu dem Teil mit der Gerte, mag sein, dass ich mich etwas falsch ausgedrückt hab.. Deutsch ist halt ziemlich vielseitig. ;O)
Das mit dem Knallen..., ich hab gestern echt kein anderes Wort dafür gefunden, deswegen schrieb ich ja auch leichtes..., vielleicht trifft es "klatschen" eher? hmmm....eigentlich auch nicht so richtig.. keine Ahnung, auf jeden Fall hat meine Gerte immer ein leichtes Geräusch verursacht, ich glaube die Gerte ist auch inzwischen wesentlich älter als ich. Es bedarf bei der Gerte keinerlei Kräfte, um dieses zu produzieren, vielleicht weil das Lederstück am Ende schon so speckig und dünn ist? Keine Ahnung...jetzt liegt sie eh im Keller.
Sei froh, dass Du es nicht öfter erleben musstest, dass ein Pferd damit verdroschen wurde. Ich musste es leider oft genug miterleben, damals als ich klein war, hab ich mich nicht getraut etwas zu sagen, heute passiert mir so etwas nicht mehr. Heute würde ich dazwischen gehen. Leider wohne ich nicht mehr in der Gegend.
Dass ein Pferd nicht bei jedem Geräusch erschrecken sollte, geb ich Dir auch Recht. Nur ich hab es halt oft anders erlebt. Ich hab in jeder denkbaren Gegend immer die Möglichkeiten ergriffen reiten zu können. (Leider kann ich das seit 2004 nicht mehr, gesundheitliche Probleme hindern mich daran. :-( )
Es gibt ja immer gute und schlechte Reiterhöfe. Ich weiß nicht warum ich oft das Pech (oder die Pferde das Glück?) hatte, auf abgestumpfte oder nervöse und teilweise auch verängstigte Tiere zu stoßen. Ich gab mir dann bei den Pferden immer besonders viel Mühe, ihnen die Ausritte so angenehm wie möglich zu gestalten, bzw einen Ausritt auch abzubrechen, wenn ich merkte, dass das Pferd keinerlei Freude daran hatte oder einfach nur noch abgestumpft war.
Bei einem Reiterhof (Berliner Umland) war es sogar Pflicht mit Reitgerte ins Gelände gehen zu müssen, "...weil die Biester sonst nicht laufen würden und ein ordentlicher Reiter nimmt sowas ja immer mit!"... lächerlich! Ich hab zwar die Gerte dann mitgenommen, aber ich hab sie dann unter meine Jacke gesteckt, weil das Pferd Angst davor hatte und die ganze Zeit nur danach schielte. Danach fing das Pferd auch an sich zu entspannen und es stellte die Ohren wieder auf.
Auf einem Westernreiterhof hab ich einen Wallach kennegelernt, der zur Ausbildung, als Westernpferd kurz vorher erst war. Das Pferd war danach nach nur 10 min völlig nassgeschwitzt, Angstschweiß. Es wurde mit Gewalt dazu gebracht. Grauenvoll. Vor allen stockartigen Gegenständen bekam er regelrecht Panik. Es auf eine Gerte zu schieben wäre jetzt Mutmaßung.
Beim Westerreiten braucht man gar keine Gerte, auf dem Reiterhof, ist die Chefin immer mit Gerte geritten. Ich mochte die Frau nicht, weil sie nicht nur mit den Tieren grob umgegangen ist, auch mit ihren eigenen Kindern. Die Tochter war immer froh, wenn ich sie als Reitführerin mitnahm. Sie war gerade 8 jahre alt und sie erinnerte mich an meine eigene teilw. besch... Kindheit.
In Spanien hab ich einen Reiterhof kennengelernt, auf dem waren alle Pferde durchweg Pferde, ohne schlechte Erfahrungen, das hat mich schwer beeindruckt, ich bin in diese Gegend sehr gern und oft hingefahren und jedes Mal auch zu diesem Reiterhof. Der Besitzer hatte eine tolle Art mit den Pferden umzugehen. Dort hab ich auch viel zusätzlich gelernt, zum Beispiel, dass man ein Pferd auch ohne Zügel reiten kann, was ich mir früher nie hätte vorstellen können, aber durch das Gelände (über einen Bergkamm) ritten wir dann doch mit Zügel, aber ohne Gebiss. ;O) Gerten gab es da von vornherein nicht. Die lehnte er ebenfalls strikt ab.:clap:
Und ja, Pferde haben ein enormes Gedächnis, im Bezug auf Veränderungen. Alles Wege die sie schon einmal gegangen sind, erkennen sie sofort wieder und wenn da halt eine Tüte oder sowas plötzlich rumliegt, weichen sie oftmals davor zurück. Gibt man ihnen die Zeit die neuen Gegenstände zu "untersuchen" ist es das nächste Mal kein Hindernis mehr.
An einem Reitunterricht musste ich auch mal zwangsläufig teilnehmen, weil der Besitzer des Reiterhofes keinen mit seinen Tieren ins Gelände ließ ohne, dass er sich von den Reitkünsten derer selbst überzeugen konnte. Diese Version fand ich sehr gut! Geritten wurde ebenfalls ohne Gerte.
(Nebenbei... ich habe da meinen "ersten ungewollten" Sliding Stop aus vollem Galopp erlebt, was mich beinahe vorn über fallen ließ. :uups::lol: Ich war halt total überrascht. Es war kein Westernpferd und auch kein Westernsattel.)
Um ein Pferd wieder an eine Gerte so zu gewöhnen, dass es keine Angst mehr davor hat, braucht man schon eine Menge Geduld.
LG Mikki