Wo der Pfeffer wächst
Chilli ist in China so normal wie bei uns Petersilie und rührt eigentlich keinen mehr zu Tränen. Bis bei den Olympischen Gaukeleienvon Hong Kong bekannt wurde, dass der Schotenstoff Capsaicin nicht nur im Wok oder im Pferfferspray landet, sondern auch auf Pferden: Cöster (D), Camiro (NOR), Lantinus (IRL), Chaupa Chup und Rufus (BRA) hatten das Dopingmittel, welches Springfehler schmerzhaft macht und Rückenschmerzen betäubt, erst am Fell dann im Blut.
Der wahre Skandal begann freilich schon vorher. Man könnte heulen vor Wut über die Bilder, die das Fernsehen zum Morgen- oder Mittags-Grauen. Fast alle deutschen Springspeziallisten verweigerten sich unterm Druck des Erfolgs mal mehr, mal minder den Reitern. In der Dressur wurden Stress und Steigen gar zu Stilmitteln versilbert: Wallach Satchmo, der während der Piaffe explodierte, statt sich zu versammeln, musste auch noch zur Siegehrung antraben. Das Augenleiden, welches als Ausrede für das Piaffen-Pipapuff herhalten musste, hatten wohl eher die Richter.
Dass die Spitze der Reitkust sich schließlich im olympischen Zockeltakt verabschiedete, verdankte Satchmo seinem Kontrahenten Salinero. Allzeit fluchtbereit, durfte er der unwürdigen Ehrenrunde nur vorantraben statt zu galoppieren. Seine Steuerfrau hatte Gold erstritten wie gewohnt: Kopf runter bis Schweiß vom Rappfell trieft; am Ende der Vorstellung kurz in die Eisen stehen, statt korrekt zu stehen. "Sie ritt mit angezogener Handbremse", mäkelte diesmal sogar der Trainer-Gatte und traf ungewollt den Nagel auf den Kopf.
Beruhigend, dass dies Anky von Grunsvens letzte Spiele waren. Sollen solche Profihandwerker doch reiten wo der Pfeffer wächst und Leuten wie Hinrich Romeike den Vor-Ritt lassen. Der vielseitige Zahnarzt bleibt nach seinem Goldstart hoffentlich Amateur im wahrsten Wortsinn: einer, der das Reiten liebt, statt sein Pferd mit Chilli und Rollkur zu zwiebeln.