- ich habe eine katze überfahren Beitrag #61
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rubberduck
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Beim Lesen einiger Beiträge hier kann ich mir nur an den Kopf fassen, sorry...
Wie arrogant ist der Mensch eigentlich, dass es als mal eben schnell verzeihlicher Fehler oder sogar als richtig angesehen wird, ein unter Umständen schwer verletztes, eventuell unglaubliche Schmerzen leidendes Lebewesen, für dessen Zustand man selbst die Schuld trägt, mitten in der Nacht auf einer Landstraße allein seinem Schicksal bzw Tod zu überlassen?
Man stelle sich mal vor, ein Mensch wird durch einen anderen versehentlich und ebefalls ohne Schuld angefahren, vielleicht ein Kind, das beim Spielen nahe der Ortschaft auf die Straße rennt. Ohne Rücksicht auf irgendwelche Umstände verlangt unser moralisches Verständnis hier, sofort zu handeln, den Rettungsdienst zu rufen, erste Hilfe zu leisten etc etc. Wenn hier irgendjemand im Schock erstmal weiterfährt, hat er mit schweren Strafen zu rechnen. Wenn derjenige aber zurückfährt, das verletzte Kind sieht und beschließt, es liegen und sterben zu lassen, weil er "den Anblick nicht ertragen kann" oder sonstiges - welch unglaubliche Vorstellung, was für ein (un)menschliches Monster wäre derjenige in den Augen seiner Mitmenschen.
Natürlich wird das jetzt wieder "es ist doch nur ein Tier" und "das kann man nicht mit Menschen vergleichen" Kommentare auf den Plan rufen.
Aber ist das wirklich so?
Ich bin bestimmt kein ökoschlappentragender Vegetarier, der sich den "Erst wenn der letzte Baum gefällt..."-Spruch an die Autoscheibe klebt, aber hier der Versuch einer objektiven Betrachtung: Wer mit der Evolutionstheorie vertraut ist, sollte wissen, dass sich der Mensch selbst aus tierischen Lebewesen entwickelt hat und biologisch gesehen de facto nichts anderes als ein Säugetier darstellt. Die im Vergleich zu anderen Säugern höhere Intelligenz scheint uns entwicklungstechnisch weiter gebracht zu haben als jede andere Tierart.
Aber gibt uns das das Recht, uns für so viel besser und wertvoller zu halten als unsere Mitlebewesen? Diese in unserer Gesellschaft leider als selbstverständlich angesehene Denkweise ist gar nicht so weit entfernt von Zeiten, als die europäische "Herrenrasse" sich aus den gleichen Gründen gegenüber scheinbar "unterentwickelten" Völkern in anderen Teilen der Erde zur herrschenden aufschwang und diejenigen Völker kolonialisierte, ausbeutete, versklavte und Schlimmeres.
Beim Thema Haustiere reicht die Verantwortung des Menschen meiner Ansicht nach sogar noch weiter, da der Mensch diese ehemaligen Wildtiere zu seinem eigenen Nutzen domestiziert hat und somit von sich abhängig und zu eigenständigem Leben in freier Wildbahn unfähig machte. Statt sich einer Verantwortung, die man sich somit auferlegt hat, zu stellen, zieht der Mensch jedoch gerne den vollen Nutzen aus seinem "Partner" Tier, welches das Haus bewacht, Ungeziefer jagt, uns Freund und Spielgefährte ist und uns sogar Nahrung und Kleidung liefert. Kommt es zu dem Punkt, an dem der Mensch Verantwortung trägt und das Haustier zum Schutzbedürftigen wird, gehen plötzlich Gründe wie Geld, zeitliche Umstände oder sogar verschmutzte Autositze vor.
Gründe, die im Angesicht dessen, in welch bedingungsloser Loyalität ein Tier seinem Menschen verbunden ist, mehr als lächerlich erscheinen. Jeder, der einen Hund hat, weiß, dass er seinen Herren bis zum Tod verteidigen würde und ich denke, weitere Beispiele sind nicht nötig. Im Angesicht dessen, was Tiere für uns leisten und erleiden müssen und wie wenig wir ihnen dafür zurückgeben, könnte sich die gesamte Menschheit mehrfach in Grund und Boden schämen.
An die Threadstellerin: Ja, was du gemacht hast war meiner Meinung nach ein Fehler und nein, er ist mit nichts auf der Welt zu entschuldigen.
Du hast ein schwer verletztes, hilfsbedürftiges Lebewesen, für dessen Zustand du selbst verantwortlich warst, lieber alleine und vielleicht sterbend bei Nacht und Nebel auf einer Straße zurückgelassen, als dich deiner Verantwortung zu stellen und so vielleicht ein Leben zu retten.
Ein schlechtes Gewissen ist normal und ich hoffe für dich, dass dich dieser Fehler bis in alle Ewigkeit verfolgt und dich so davor bewahrt, sowas noch einmal zu machen.
Das gibt es, das ist normal. Man macht in seinem Leben schlimme Fehler die man nicht wieder gerade rücken kann. Das wirklich Schlimme daran finde ich nur, wenn danach versucht wird, die Sache herunterzuspielen und mit irgendwelchen fadenscheinigen Ausreden zu entschuldigen.
Und ich weiß hier wovon ich rede, ich stelle mich hier bestimmt nich als Mutter Theresa hin. Weil ich aus purer Feigheit - und NICHTS wirklich NICHTS anderes war auch das, was du getan hast - auch mal einen schlimmen Fehler gemacht habe. Ich habe ein armes Lebewesen alleine gelassen, als es mich am dringensten gebraucht hätte. Weil ich zu feige war, dabei zu sein und aufzupassen und es zu pflegen, als es fast gestorben ist. Weil es schlimm aussah und weil ich Angst hatte. Ich war erst 14 aber es verfolgt mich bis heute und es gibt keine Entschuldigung dafür. Jedes mal wenn ich daran denke hasse ich mich dafür und ich hoffe, es bleibt so, weil ich so sicher sein kann, dass ich sowas in meinem ganzen Leben nie wieder machen werde!
@kleine sam: Naja, was soll ich zu deiner Einstellung sagen... meiner Meinung nach sollte jeder im Leben das zurückbekommen, was er gegeben hat. Solltest du mal von der Fahrbahn abkommen und irgendwo schwer verletzt alleine am Straßenrand liegen, hoffe ich, dass jemand vorbeikommt, dich betrachtet, und ihm dann einfällt, dass er gerade für 50 Euro seine lederne Sitzgarnitur hat reinigen lassen, und dass seine neuen Schuhe schmutzig werden könnten, wenn er bis zur nächsten Notrufsäule durch den Matsch läuft... und er deshalb lieber weiterfährt. Wie du so schön sagst, klingt hart, aber... tja ^^
Wie arrogant ist der Mensch eigentlich, dass es als mal eben schnell verzeihlicher Fehler oder sogar als richtig angesehen wird, ein unter Umständen schwer verletztes, eventuell unglaubliche Schmerzen leidendes Lebewesen, für dessen Zustand man selbst die Schuld trägt, mitten in der Nacht auf einer Landstraße allein seinem Schicksal bzw Tod zu überlassen?
Man stelle sich mal vor, ein Mensch wird durch einen anderen versehentlich und ebefalls ohne Schuld angefahren, vielleicht ein Kind, das beim Spielen nahe der Ortschaft auf die Straße rennt. Ohne Rücksicht auf irgendwelche Umstände verlangt unser moralisches Verständnis hier, sofort zu handeln, den Rettungsdienst zu rufen, erste Hilfe zu leisten etc etc. Wenn hier irgendjemand im Schock erstmal weiterfährt, hat er mit schweren Strafen zu rechnen. Wenn derjenige aber zurückfährt, das verletzte Kind sieht und beschließt, es liegen und sterben zu lassen, weil er "den Anblick nicht ertragen kann" oder sonstiges - welch unglaubliche Vorstellung, was für ein (un)menschliches Monster wäre derjenige in den Augen seiner Mitmenschen.
Natürlich wird das jetzt wieder "es ist doch nur ein Tier" und "das kann man nicht mit Menschen vergleichen" Kommentare auf den Plan rufen.
Aber ist das wirklich so?
Ich bin bestimmt kein ökoschlappentragender Vegetarier, der sich den "Erst wenn der letzte Baum gefällt..."-Spruch an die Autoscheibe klebt, aber hier der Versuch einer objektiven Betrachtung: Wer mit der Evolutionstheorie vertraut ist, sollte wissen, dass sich der Mensch selbst aus tierischen Lebewesen entwickelt hat und biologisch gesehen de facto nichts anderes als ein Säugetier darstellt. Die im Vergleich zu anderen Säugern höhere Intelligenz scheint uns entwicklungstechnisch weiter gebracht zu haben als jede andere Tierart.
Aber gibt uns das das Recht, uns für so viel besser und wertvoller zu halten als unsere Mitlebewesen? Diese in unserer Gesellschaft leider als selbstverständlich angesehene Denkweise ist gar nicht so weit entfernt von Zeiten, als die europäische "Herrenrasse" sich aus den gleichen Gründen gegenüber scheinbar "unterentwickelten" Völkern in anderen Teilen der Erde zur herrschenden aufschwang und diejenigen Völker kolonialisierte, ausbeutete, versklavte und Schlimmeres.
Beim Thema Haustiere reicht die Verantwortung des Menschen meiner Ansicht nach sogar noch weiter, da der Mensch diese ehemaligen Wildtiere zu seinem eigenen Nutzen domestiziert hat und somit von sich abhängig und zu eigenständigem Leben in freier Wildbahn unfähig machte. Statt sich einer Verantwortung, die man sich somit auferlegt hat, zu stellen, zieht der Mensch jedoch gerne den vollen Nutzen aus seinem "Partner" Tier, welches das Haus bewacht, Ungeziefer jagt, uns Freund und Spielgefährte ist und uns sogar Nahrung und Kleidung liefert. Kommt es zu dem Punkt, an dem der Mensch Verantwortung trägt und das Haustier zum Schutzbedürftigen wird, gehen plötzlich Gründe wie Geld, zeitliche Umstände oder sogar verschmutzte Autositze vor.
Gründe, die im Angesicht dessen, in welch bedingungsloser Loyalität ein Tier seinem Menschen verbunden ist, mehr als lächerlich erscheinen. Jeder, der einen Hund hat, weiß, dass er seinen Herren bis zum Tod verteidigen würde und ich denke, weitere Beispiele sind nicht nötig. Im Angesicht dessen, was Tiere für uns leisten und erleiden müssen und wie wenig wir ihnen dafür zurückgeben, könnte sich die gesamte Menschheit mehrfach in Grund und Boden schämen.
An die Threadstellerin: Ja, was du gemacht hast war meiner Meinung nach ein Fehler und nein, er ist mit nichts auf der Welt zu entschuldigen.
Du hast ein schwer verletztes, hilfsbedürftiges Lebewesen, für dessen Zustand du selbst verantwortlich warst, lieber alleine und vielleicht sterbend bei Nacht und Nebel auf einer Straße zurückgelassen, als dich deiner Verantwortung zu stellen und so vielleicht ein Leben zu retten.
Ein schlechtes Gewissen ist normal und ich hoffe für dich, dass dich dieser Fehler bis in alle Ewigkeit verfolgt und dich so davor bewahrt, sowas noch einmal zu machen.
Das gibt es, das ist normal. Man macht in seinem Leben schlimme Fehler die man nicht wieder gerade rücken kann. Das wirklich Schlimme daran finde ich nur, wenn danach versucht wird, die Sache herunterzuspielen und mit irgendwelchen fadenscheinigen Ausreden zu entschuldigen.
Und ich weiß hier wovon ich rede, ich stelle mich hier bestimmt nich als Mutter Theresa hin. Weil ich aus purer Feigheit - und NICHTS wirklich NICHTS anderes war auch das, was du getan hast - auch mal einen schlimmen Fehler gemacht habe. Ich habe ein armes Lebewesen alleine gelassen, als es mich am dringensten gebraucht hätte. Weil ich zu feige war, dabei zu sein und aufzupassen und es zu pflegen, als es fast gestorben ist. Weil es schlimm aussah und weil ich Angst hatte. Ich war erst 14 aber es verfolgt mich bis heute und es gibt keine Entschuldigung dafür. Jedes mal wenn ich daran denke hasse ich mich dafür und ich hoffe, es bleibt so, weil ich so sicher sein kann, dass ich sowas in meinem ganzen Leben nie wieder machen werde!
@kleine sam: Naja, was soll ich zu deiner Einstellung sagen... meiner Meinung nach sollte jeder im Leben das zurückbekommen, was er gegeben hat. Solltest du mal von der Fahrbahn abkommen und irgendwo schwer verletzt alleine am Straßenrand liegen, hoffe ich, dass jemand vorbeikommt, dich betrachtet, und ihm dann einfällt, dass er gerade für 50 Euro seine lederne Sitzgarnitur hat reinigen lassen, und dass seine neuen Schuhe schmutzig werden könnten, wenn er bis zur nächsten Notrufsäule durch den Matsch läuft... und er deshalb lieber weiterfährt. Wie du so schön sagst, klingt hart, aber... tja ^^