Ob mit oder ohne Gebiss, die Probleme des Pferdes bleiben gleich.
Nimmt ein Pferd den Hals nicht tief oder gibt im Genick nicht nach, so kann man das nicht durch eine andere Zäumung beheben. Ein solches Problem kann man nur dort beheben, wo es wirklich steckt.
Ich stehe dem Glücksrad genauso kritisch gegenüber, wie dem mechanischen Hackamore. Diese Zäumungen (wie viele andere auch), haben eine Hebelwirkung, sie drücken daher das Maul des Pferdes zusammen und haben auch Druck auf dem Genick. Einigen Pferden ist diese Druckverteilung lieber, als alleiniger Druck auf der Zunge. Man sollte nur wissen, dass man sehr viel mehr Druck mit diesen Zäumungen (die eben den Kopf des Pferdes sozusagen zusammendrücken) ausübt.
Ein ordentlich gebisslos zu gymnastizierendes Pferd sollte nach meiner Meinung gründlich auf die gebisslose Zäumung umgestellt sein.
Ich verwende bei jungen Pferden grundsätzlich zum Anreiten ein Sidepull (die Vorbereitung hierzu erfolgt am Halfter, was den Pferden sehr leicht fällt, da sie das Halfter schon lange kennen).
Das Sidepull hat den großen Vorteil, dass es ausschließlich auf dem Nasenrücken bzw. den Seiten einwirkt, den Unterkiefer und das Genick jedoch vollkommen in Ruhe lässt. Übrigens reite ich nicht nur Western sondern auch Englisch gerittene Pferde mit Sidepull an. Im Gefahrenfall (z.B. durchgehen im Gelände) finde ich das Sidepull äußerst wirkungsvoll, da sich das Pferd der seitlichen Zügelhilfe nicht entziehen kann.
Westernpferde stelle ich nachdem sie das Sidepull und das Snaffle (Wassertrense) kennengelernt haben, gern auf Bosal um. Diese Umstellung sollte jedoch gewissenhaft und gründlich vorgenommen werden, ansonsten ist das Bosal gefährlich für den Reiter und eine Qual für das Pferd.
Ein gutes Bosalpferd jedoch ist einfach nur klasse. Mein Freund besitzt eine Stute, die altcalifornisch geritten wurde, sie wurde nicht komplett ausgebildet (kein fertiges Bitpferd, wenn man die altcalifornischen Bits kennt, weiß man, dass dieses Pferd schon wirklich gut ist), jedoch wurde sie 2 Jahre ausschließlich auf Bosal ausgebildet.
Die Stute kann sämtliche Manöver und Englischlektionen (bis einschließlich M) auf Bosal mit feinsten Hilfen laufen.
Derzeit stelle ich einen Hengst auf Bosal um. Er wird jetzt seit 1/2 Jahr auf Bosal gearbeitet und macht sich sehr gut.
Man merkt vermutlich schon, dass ich ein Bosalfan bin, jedoch habe ich den Umgang mit dem Bosal auch entsprechend lange gelernt und würde z.B. meine RB erste einmal nicht damit reiten lassen, denn so etwas kann superschnell 'in die Hose gehen', so dass nicht einmal mehr Ausreiten möglich wäre.
Ein reines Englischpferd würde ich nicht auf Bosal reiten, denn dieses ist eine Westernzäumung und beim Westernreiten soll das Pferd weichen, während das Englischpferd die Hilfen annehmen soll. Zum Erreichen der Selbsthaltung gibt es beim Englischreiten genügend ungefährlichere Zäumungsarten.