Schönes Thema.
Übertreiben wir? Ich glaube es kommt auf darauf an, wie man das Thema behandelt.
Ich barfe. Warum? Ganz einfach - ich habe die Möglichkeit. Als Barf noch gar kein Thema war, zumindest nicht wie heute (aber nee, war kein Thema), habe ich mich totgefreut, wenn ich meinem Hund mal etwas vom Metzger mitgebracht habe. Danach hatte ich eine längere Zeit ohne Hund (Kinder bekommen, beruflich Fuß fassen etc.). Als ich wieder angefangen habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen, war plötzlich BARF das Wort.
Es gibt für mich drei wichtige Gründe, warum ich barfe: Es ist die billigste Variante - ich kaufe jede Woche die Wochenration für drei Kleinhunde und zahle dafür knapp 10 Euro. Diverse Zusätze etc. sind zwar auf den ersten Blick nicht günstig, halten aber ewig, so dass ich mit Gemüse, Zusätze etc. behaupte, ich zahle pro Hund nie mehr als 5 Euro die Woche. 2. Grund - ich freue mich einfach, dass ich meinen Hunden so etwas geben kann, sie stehen total drauf und ich bin der absolute Liebling, wenn ich mit dem Pansen wedel - auch ich habe meinen Frauchenstolz

. 3. Grund: Meine Hunde pupsen nicht mehr! Die Reihenfolge ist beliebig austauschbar. Ich habe, bevor ich mich sicher fühlte ein Futter gefüttert, was mich pro Hund 80 Euro im Monat gekostet hat, also ich bin da nicht zimperlich, freu mich aber, wenn ich das Geld nicht zwingend ausgeben muss.
Barf ist für mich keine Lebenseinstellung. Das einzige, ich bin der Meinung, wenn dann richtig! Barfen ist noch nicht soo lange gesellschaftsfähig. Das heißt, man hat kaum Erfahrung, welche Schäden langfristig auftreten können, wenn man bestimmte Dinge nicht beachtet oder füttert. Ich werde oft belächelt, auch von Barfern, wenn ich von meiner Hexenküche erzähle, die einmal wöchentlich stattfindet, wenn ich die Tagesportionen fertig mache. Ich fütter streng nach Plan.
Meine Hunde bekommen 1 x die Woche Pansen und 1 x die Woche Blättermagen. Zwei mal die Woche bekommen sie Knochen. Sie bekommen gemixtes Fleisch (Muskelfleisch, Kehlkopf, Luftröhre etc.). An einem Tag in der Woche bekommen sie reines Muskelfleisch, an einem anderen nur Innereien. Dazu gibt es täglich Gemüse. Ich habe keinen Gemüsetag, weil meine Hunde dann eher verzichten, als dass sie das Zeug futtern. Einmal die Woche wird noch ein Ei mit Schale drüber gehauen. Es gibt Hühnerhälse täglich, außer wenn Knochen gefüttert wird.
Ich verwende jeden Tag Öl. Dorschleberöl wenn es Pansen und Blättermagen gibt (nur damit ich einen Überblick hab, wo ich was drauf gekippt habe). Das wechselt mit Lachsöl. Die Öle werden mir zu schnell tranig, wenn man sie zu lange lagert. Deswegen kaufe ich eine Flasche, mach sie leer und wechsel. Am "Innereientag" gibt es Leinöl, die anderen Tage wechsel ich zwischen verschiedenen pflanzlichen Ölen.
Dazu gibt es täglich Eierschalenpulver. Das errechnet nach Alter und Gewicht. Hagebuttenschalenpulver gibt es ebenfalls täglich, Mineralien gibt es 2 x die Woche untergemischt. Algen gibt es einmal die Woche, ebenfalls wie Kräuter. Da ich ein Stück Wildwiese im Garten habe, bevorzuge ich hier die gepflückten. Und dann gibt es nur Grünmuschellippdingsbums. Immer 3 Monate, 1 Monat Pause, wieder 3 Monate täglich. Einmal die Woche wandert noch ein bißchen Joghurt, Hüttenkäse oder Quark mit rein und ein TL Honig.
Hört sich so total schwer an, aber ich hab das Glück einen Barfshop im Ort zu haben. Die druckt mir den Plan und fütter danach.
Leider lese ich immer wieder, dass manche die Fleischration täglich vorlegen und ab und zu mal eine Möhre oder ähnliches. Zusätze nicht. Ich kenne einen Hund, der allerdings eine Eiweißunverträglichkeit entwickelt hat, weil zu wenig Gemüse, Kohlenhydrate etc. vorhanden war. Und wir reden da von einer Minimenge und nicht von 2 kg Blumenkohl als Beilage. Auch Zusätze werden gerne weggelassen. Alles Spinnerei heißt es - möglich. Aber ich unterschätze nicht, dass es nicht das ganze Tier ist, was wir verfüttern, wenn wir unseren Hunden Fleisch vorlegen.
Was würde ich sonst füttern? Trockenfutter nicht mehr. Da habe ich einfach die Erfahrung, dass die total viel trinken und wenn man mal 2 Stunden nach der Mahlzeit unterwegs war, dann nehmen die schon jede Pfütze mit und das fühlt sich für mich nicht richtig an.
Nassfutter aus dem Discounter? Weiß nicht. Meine Schwester fütterte anfangs ihren Hund so. Allerdings stank der wirklich widerlich (ich bin hart im nehmen aber es war wirklich ganz furchtbar schlimm). Schlimmer fand ich - der Hund bekam so viel von dem Zeug, an der Menge pro Mahlzeit verglichen und trotzdem nahm er nicht zu. Seitdem sie barft, bekommt der Hund die Hälfte in der Menge, hat aber nicht mehr so eingefallene Flanken. Weiß nicht, ob es Zufall war, macht mich aber sehr skeptisch. Bei allem anderen ist es mir einfach zu teuer. Wie gesagt, wenns sein muss, kein Thema. Aber Barf ist für mich da eine gute Alternative.
Noch kurz zum Thema "stammt vom Wolf ab". Das habe ich mich schon oft hinterfragt. Zweifellos stammt der Hund vom Wolf ab. Aber, mir fällt auf, dass bei negativen Diskussionen (die Hunde sind krank, die Hunde sehen total unterschiedlich aus, sind im Wesen verändert) immer das Argument kommt, dass der heutige Hund nichts mehr mit dem Wolf gemein hat. Bei Sachen, die uns positiv erscheinen, wird es oft so hingestellt, als wäre der Hund lediglich der andersaussehende Zwilling. Da sind unsere Hunde plötzlich wieder ganz Urtyp. Ich denke die Wahrheit liegt in der Mitte. Sie stammen vom Wolf ab und haben davon noch viel in sich, haben aber auch vieles neues gelernt (im Sinne der Evolution), so dass es nicht zwingend ein Vergleich zulässt.