Nur mal so als Randlektüre verlinke ich mal ein paar ältere Threads zu diesem/ähnlichen Themen

:
https://www.tierforum.de/t125682-vegane-hundeernaehrung-hat-jemand-erfahrung.html
https://www.tierforum.de/t140601-was-hat-fleisch-was-pflanzen-nicht-haben.html
https://www.tierforum.de/t98154-vegetarisches-hundefutter.html
https://www.tierforum.de/t151731-vegetarisches-futter.html
https://www.tierforum.de/t175425-hunde-nachhaltig-ernaehren-geht-das.html
Ich selbst habe glaube ich in (fast) jedem dieser Threads auch schon erklärt, dass ich kein Freund der veganen/vegetarischen Ernährung von Hunden bin, sofern sie nicht erkrankt sind und es keinen anderen Weg gibt. Ich möchte meinem Hund keine moralischen Bedenken aufzwingen, die er so nicht kennt, auch wenn ich sie vielleicht habe. Ein Hund frisst zum Überleben, daher frisst er Beutetiere.
Dazu würde ich auch gerne mal den ersten Absatz aus der »Ernärhungsbibel« von Meyer/Zentek zitieren:
Der Hund stammt vom Wolf ab, seine seine Domestikation liegt über fünfzehntausend Jahre zurück – eine geringe Zeitspanne im Verlauf im Falle der Kaniden zehn Millionen Jahre dauernden Evolution, in der sich die anatomisch-physiologischen Besonderheiten einer Spezies herausbilden. Wenn auch äußere Gestalt und Erscheinungsbild des Hundes sich gegenüber seinem Stammvater nachhaltig veränderten, so blieben die wesentlichen artbestimmenden physiologischen Eigenschaften (insbesondere des Verdauungskanals) fast unberührt. Der Hund ist also, wie sein Vorfahr, der Wolf, ein Vertreter aus der Ordnung der Karnivoren, der Fleischfresser.
Diese Bezeichnung – im wörtlichen Sinne – kann jedoch irreführen, denn der Karnivore frisst nicht Fleisch, sondern Beutetiere; [...]
Die Beute wird bis auf geringe schwer oder unverdauliche Reste (stark mineralisierte Knochen, Sehnen, Haut, Haare, Mageninhalt) fast vollständig gefressen [...].
Meyer, Helmut; Zentek, Jürgen: Ernährung des Hundes. Grundlagen – Fütterung – Diätetik, Enke Verlag Stuttgart, 2010, 6. Auflage, S. 2. Fette Hervorhebung von mir.
Das bestätigt unter anderem, was Kompassqualle sagte. Es gibt einige Internetquellen, in denen der Hund heute gerne als domestizierter Omnivore oder Omni-Karnivore bezeichnet wird, in diesem Fall verlasse ich mich aber lieber auf Quellen in Buchform, nicht auf Internetseiten, die teils nur für getreidelastiges Futter werben, teils gar nicht richtig erklären können, woher ihre Ansicht kommt. Da gibt es nur wenige, sachliche Ausnahmen, die diese Bezeichnung dann aber leider auch einfach als Tatsache hinstellen, ohne es zu belegen. Denn die Tatsache allein, dass der Hund pflanzliches sowie Kohlehydrate aufnehmen und verdauen kann macht ihn nicht zum halben Pflanzenfresser. Meyer und Zentek weisen ebenfalls darauf hin, dass der Hund zwar nicht nur pures Fleisch frisst, sondern zum einen das ganze Beutetier mit Knochen und Innereien, zum anderen aber auch frisches pflanzliches Material. Trotzdem sei er aber kein Faunivore (Pflanzenfresser).
Je Nach Versorgungslage und Angebot nimmt er [der Wolf] in wechselnden Mengen auch pflanzliches Material auf: Früchte, Gräser, Wurzeln, Blätter, evtl. auch Exkremente anderer Tiere und sonstige Abfälle. Er kann sich also in gewissen Grenzen an unterschiedliche Futterarten anpassen.
Ebd., S. 3.
Diese Anpassung beziehe sich auch auf den Haushund, dessen Verdauungskanal nicht mehr so strikt auf tierische Quellen angewiesen ist wie der des Wolfes. Im weiteren wird diese Anpassung und Annäherung an den Omnivoren aber auch kritisiert:
Das Sprichwort »Was dem Meister frommt, auch dem Hund bekommt« ist in der Regel nicht zutreffend. Die Risiken der Fehlernährung nehmen – selbst in unserem naturwissenschaftlich aufgeklärten Jahrhundert – , je mehr Mensch und Hund »hautnah« zusammen leben und der Hund der Gefahr ausgesetzt ist, vermenschlicht zu werden.
Ebd., S. 3.
Ebenfalls interessant:
Menschliche Vorstellungen, meist hergeleitet über eine uns selber angenehme Art der Ernährung, sollten nicht auf den Hund übertragen werden.
Ebd., S. 3.
Ich fand diese Zitate gerade einfach derart passend, dass ich sie hier kurz abtippen musste. Selbst hätte ich es kaum besser ausdrücken oder auf den Punkt bringen können: Wir sollten unsere Vorstellungen und Ideale in Bezug auf die Ernährung nicht mit aller Gewalt auf den Hund übertragen. Ich habe Verständnis für Vegetarier und Veganer, aber auch Veganer sollten Verständnis für ihren Hund besitzen. Ich tue meinem Hund nichts gutes damit, ihn vegan zu ernähren, ich tue ihm keinen Gefallen, bringe ihm damit keine Moral bei und ernähre ihn damit auf Dauer auch nicht gesund. Nur weil es dem Menschen möglich ist, sich vegan und gesund zu ernähren, ist es das dem Hund noch lange nicht. Es gibt entsprechendes Futter, das ein Alleinfuttermittel ist, allerdings muss dann künstlich derart viel zugesetzt werden, damit es allein den Mindestanforderungen entspricht, dass ich mich frage, ob es das dann wert und ob das wirklich gesünder sein soll.