Warum keine Designer Dogs?
Ja, warum?
Argument: "Alle Rassen sind dadurch entstanden, dass man andere Rassen miteinander gekreuzt hat. Warum also keine neuen Rassen mehr entstehen lassen?"
Dieses Argument stimmt so nicht und zeigt, dass sich die betreffenden Personen mit der Entstehung der Hunderassen nicht wirklich auseinandergesetzt haben.
Denn, welche Rassen waren denn zuerst da, aus denen sich andere Rassen hätten entwickeln können?
Aufgrund von DNA-Forschungen kann man davon ausgehen, dass mindestens 4 verschiedene Unterarten des Wolfs an der Entstehung unserer Haushunde beteiligt waren. Zunächst lebten Mensch und Wolf/Hund generationenlang nebeneinander/miteinander in einer Symbiose.
Erst als der Mensch anfing, den Hund gezielt mit Aufgaben zu "versehen" kam es auch zu einer am Anfang mehr oder weniger planvollen "Zucht". Wobei die Selektion damals eher noch wenig gezielt und spezialisiert abgelaufen sein dürfte.
Über Jahrhunderte/Jahrtausende haben sich zum einen durch natürliche Selektion (inklusive Abwanderung und Vermischung an den "Regionengrenzen"), zum anderen auch durch langsames Eingreifen des Menschen in die Selektion einige wenige "grobe" Landschläge gebildet. Nicht sehr einheitlich im Aussehen und auch nicht sehr einheitlich im "Gebrauch".
Im Laufe der Zeit entstanden aus diesen regionalen "Über"landschlägen dann durch gezieltere Selektion/Zucht die verschiedenen Landschläge, die auf verschiedene Gebiete "spezialisiert" wurden. Mit zunehmender Selektion und gezielterer Verpaarung kam es auch mehr und mehr zu Linienzuchten und damit zu einer mehr oder weniger Vereinheitlichung im Aussehen.
Und irgendwann kam dann die gezielte Reinzucht und die alten Rassen waren "geboren".
Argument: "Es sind in den letzten 150 Jahren eine ganze Reihe neuer Rassen durch Kreuzung alter Rassen entstanden"
Das stimmt. ABER! Die meisten dieser "neu" entstandenen Rassen waren reine Gebrauchskreuzungen. Z.B. Pudelpointer (was wenigstens ein vernünftiger Name ist und keine Lachplatte wie diese ganzen "Doodle"-Namen, die ja nur noch albern und lächerlich sind). Das waren Kreuzungen, die rein auf Leistung gezüchtet und selektiert wurden. Und die bis heute nicht in die Hände von Ottonormalverbraucher und Hundevermehrer gefallen sind. Eben WEIL sie gezielt mit Verstand, Wissen und einem idealistischen Ziel gezüchtet wurden.
Eurasier, Wäller, Elo, Kromfohrländer und Co sind dagegen eher mit Vorsicht zu geniessen. Den Eurasier kann man mit Fug und Recht als einen der ersten Designer Dogs bezeichnen. Da steckt kein Sinn mehr dahinter, denn die Ausgangsrassen sind vom Wesen und vom Aussehen her auch nicht so viel anders als der Eurasier. Und einen Gebrauchszweck hat diese Rasse auch nicht, der sie von den Ausgangsrassen abhebt.
Bei Wäller, Elo, Kromi, .... ist das auch nicht viel anders.
Auch der Labradoodle (wie kommt man eigentlich auf so nen bescheuerten Namen, das allein zeigt doch, was sich die Entsteher dabei gedacht haben) war ursprünglich als reine Gebrauchskreuzung gedacht. Im Prinzip als Experiment, das in seinem Ursprung schon längst wieder aufgegeben wurde, da die Ergebnisse nicht hielten, was man sich davon versprochen hatte.
Dafür hatten dann die ganzen Hundevermehrer und Hundehändler eine "neue Rasse", die sie ohne irgendwelche Vorgaben der herkömmlichen Zuchtverbände vermehren und unter die Leute bringen konnten. Das Ganze mit einer schmalztriefenden "Ursprungsgeschichte" versehen - und schon klingelten die Kassen.
Argument: "Toller Charakter, verspielte Hunde, ....... "
speziell bei den Doodle-Mischlingen gibt es absolut KEINEN Grund, diese weiter zu vermehren. Die Doodle-Produzenten schreiben sich gern auf die Fahnen, dass ihre Hunde ja so tollen Charakter haben, verspielt sind, ideale Familienhunde, blablabla ..... na ja, bei DEN Ausgangsrassen ja auch keine grosse Kunst. Im Prinzip ist das nur verlogenes "mit fremden Federn schmücken", denn seien wir ehrlich .... die Doodle-Produzenten haben dafür aber auch rein gar nichts tun müssen. Denn die Ausgangsrassen, die sie für ihre Produktion verwenden, wurden bereits durch gezielte Zucht durch seriöse und gute Züchter in Wesen und Charakter entsprechend gezüchtet.
Argument: "für Allergiker geeignet, nicht haarend"
Das mit dem "nicht haaren" ist Quatsch.
Zum einen lösen nicht die Haare an sich Allergien aus, sondern die Proteinstruktur des jeweiligen Tieres. Und die findet sich auch in Hautschuppen, Speichel usw. Der Pudel als Rasse hat eine Proteinstruktur, die relativ wenig allergieauslösend ist - sprich "hypoallergen". Der Labrador Retriever dagegen hat eine Proteinstruktur, die deutlich stärker dazu neigt, Allergien auszulösen. Abhängig davon, wie sich die genetischen Komponenten bei den Nachkommen zusammensetzen, überwiegt mal eher die "allergenarme" Proteinstruktur des Pudels, mal eher die Struktur des Labradors. Die Doodle-Produzenten können das nicht vorhersagen. Und da die Mischung noch nicht mal zwanzig Jahre alt ist, also maximal 10-15 Generationen umfassen würde, wenn man wirklich von den ersten AUsgangsverpaarungen ausgeht und dann die höchstmögliche Generationenzahl nimmt - kann man davon ausgehen, dass es noch einige Zeit dauern wird, Hunde zu produzieren, die durchgehend eine "hypoallergene" Proteinstruktur haben.
Beim Pudel und einigen anderen Rassen ist dies über Jahrhunderte geschehen. Da werden die Doodle-Produzenten, die grösstenteils nicht mal den Hauch einer Ahnung von Genetik haben, das sicher nicht in ein paar Jahren auf die Reihe bekommen.
Und wenn sich jetzt jemand darüber echauffieren möchte, weil ich den Doodle-Produzenten mangelnde Kenntnis in Genetik vorwerfe. Nun, dann dürfen sie auf ihren Websites keine Äusserungen veröffentlichen, die diesen Schluß nicht nur nahelegen, sondern ganz deutlich belegen. Was ich auf so mancher Website der Doodle-Produzenten gelesen habe, lässt jedem, der auch nur einen Hauch von Ahnung über Genetik hat, die Zähnennägel aufrollen. Da wird mit Begriffen wie "Heterosis-Effekt", "F1/F2/Fweiss der Geier-Generation" und und und um sich geworfen. Und der Gebrauch und die Erklärung dieser Begriffe zeigt, dass der dies schreibende Mensch überhaupt nicht verstanden hat, worum es geht.
Nur mal ein Beispiel: Da wird darüber geschwafelt, wie toll der Heterosis-Effekt die Gesundheit, Vitalität, usw. der "Rasse" Labradoodle beeinflusst. Lachhaft - der Heterosis-Effekt ist ein Effekt der NUR und AUSSCHLIESSLICH in der F1-Generation auftritt. Vorausgesetzt beide Elterntiere waren aus unterschiedlichen homozygoten Linien.
Um den Heterosis-Effekt ausnützen zu können, werden in der Nutztierzucht speziell bei Schweinen und Hühnern ganz gezielt unterschiedliche INZEST-Linien aufgebaut, die für möglichst viele Merkmale/Genorte homozygot sind. Diese Inzestlinien werden dann gekreuzt - und bei dieser F1-Generation tritt der Heterosis-Effekt auf. Das Ganze geschieht in speziellen Zuchtprogrammen unter Aufsicht von Biologen und Tierärzten mit speziellen Kenntnissen in Tierzucht und Genetik.
BTW: diese F1-Generation landet dann nicht in der Weiterzucht :biggrin:. Als reine Gebrauchskreuzungen landen diese F1-Nachkommen wörtlich genommen im Kochtopf :025: .
Argument: "diese Rassen (speziell jetzt die Labra- und Goldendoodles) sind in anderen Ländern schon längst anerkannt"
stellt sich mir die Frage in welchen. Auf keinen Fall in Australien oder den USA. Weder das "Australian National Kennel Council" noch der "New Zealand Kennel Club" erkennen eine Rasse "Labradoodle" an. Vom "American Kennel Club" mal ganz zu schweigen. Und eine Rasse "Goldendoodle" schon gleich gar nicht.
Dass es in verschiedenen Ländern (inzwischen übrigens auch in D) sogenannte "Zuchtverbände" für Designer Dogs, Hybrid Dogs usw. gibt, hat NICHTS, aber auch REIN GAR NICHTS mit einer offiziellen Anerkennung als Rasse durch seriöse, von der internationalen kynologischen Fachwelt anerkannte Zuchtverbände zu tun.
So - und damit sind wir noch gar nicht bei den rein persönlichen Gründen angekommen, warum ich eine Abneigung gegen diese ganze "Designer Dog Produktion" habe.
Da wäre z.B. die Tatsache erwähnenswert, dass ich zumindest von Pudelseite aus weiss, was da teilweise zur Produktion herangezogen wird. Nämlich grösstenteils die Hunde, die in den Pudelzuchtverbänden keine Zuchtzulassung bekommen haben. Man stelle sich vor, man kaufe einen Hund beim Züchter und dann bekommt dieser Hund keine Zuchtzulassung (was ja völlig ok ist, nicht jeder Hund - Züchter hin oder her - ist für die Weiterzucht geeignet). Also was tun, wenn man doch mal Welpis von seinem ach so tollen Hundi haben möchte?
Früher musste man sich dann damit begnügen als "Hobbyzüchter" Werbung für Welpis ohne Papiere oder gar für Mischlinge zu machen. Heute ist es da deutlich einfacher. Man verpaart mal eben seinen nicht zuchttauglichen Pudel mit einem Labrador (idealerweise auch nicht zuchttauglich) und schwuppdiwupp hat man einen "reinrassigen Labradoodle", den man dann auch noch für nahezu das Doppelte dessen verkaufen kann, was die Ausgangsrassen so kosten würden. Ach ja, und es gibt dann ja natürlich immer Abnehmer, die das "Besondere" wollen. Dass diejenigen das "Besondere" in jedem Tierheim bekommen könnten, für deutlich weniger Geld, ...... - na ja, aber wie war das mit dem Snob-Effekt in Betriebswirtschaftslehre? "Nur was teuer ist, ist auch gut".
Erwähnenswert ist auch die Tatsache, wie Werbung für diese Hunde gemacht wird - wer auch nur den Hauch einer Ahnung von Hundezucht hat, weiss, dass es nun mal nicht so ist, dass sich nur die "erwünschten" Seiten eines Elternteils vererben. Aber nein, diese Erkenntnis scheint an so manchem Doodle-Produzenten vorbeigegangen zu sein, wie sich in diversen Gesprächen öfter mal herausgestellt hat. Gerade erst vor einiger Zeit hatte die Züchterin einer meiner Hündinnen während einer Messe ein Gespräch mit einem Doodle-Produzenten , da sie einen ihrer GP dabei hatte und dieser anfragte von wegen ....... . Ihr Kommentar hinterher war "über so viel Unwissenheit und Ignoranz zum Thema Hundezucht kann man nur den Kopf schütteln". Auf die Frage meiner Bekannten von wegen "was denn wäre, wenn eben nicht die tollen Eigenschaften beider Rassen überwiegen würden, sondern eben doch mal die negativeren Seiten durchkämen" kam die Antwort "das passiert nicht, beim Labradoodle komme NUR die besten Seiten beider Rassen durch"
Sagt doch alles - wir hatten uns hinterher nur überlegt, ob wir jetzt eher lachen oder weinen sollen