Von Eindämmung unkontrollierter Vermehrung zu reiner Zucht überzugehen, halte ich für ein wenig hochgegriffen. Das wird nirgendwo funktionieren, nicht in Deutschland und noch weniger in den Mittelmeerländern. Aber das ist aus meiner Sicht auch nicht das Ziel. Der Mensch muss nicht alles zu beinahe 100% steuern und regulieren. Es geht darum, ein gesundes Maß zu erreichen und davon sind viele Länder leider noch sehr weit weg.
Ich finde eben auch, dass diese sache mit den tieren aus dem süden geschäftemachern tür und tor öffnet.
Was ist mit deutschen Vereinen, die ihre Tiere ohne ausreichend medizinische Versorgung vermitteln und teilweise nicht mal den Charakter des Tiers beschreiben können? Schwarze Schafe gibt es überall. Wo Geld fließt, da ist Korruption nicht weit. Ich find's dennoch bemerkenswert, dass das Argument gern vorgebracht wird, wenn es um Auslandstiere geht. Sogar Hilfsorganisationen, die vorgeben, sich um
Menschen zu kümmern, tun teilweise ungeheuerliche Dinge mit den erwirkten Spenden. Das gibt Skandale in der Presse und einem wird eingebleut, man soll sich genau ansehen, wo man spendet. Aber damit aufzuhören kommt keinem in den Sinn, weil das nicht richtig wäre. Tieren aus dem Ausland zu helfen, das ist natürlich moralisch verwerflich (bewusst überspitzt formuliert)...
Ich sehe keinen Grund, ein Tier NICHT aus dem Ausland zu holen, solange (das ist unerlässlich) erstens die Ursache und nicht die Symptome bekämpft werden und zweitens alles mit Herz und Verstand gleichermaßen geschieht. Aber dieser gesamte Prozess, in den betroffenen Ländern eine spürbare Veränderung zu bewirken, braucht Jahre. Zum Glück kann und sollte jeder selbst entscheiden, woher er sein Tier holt. Vermehrung und Zustände in Zooläden kann man anprangern, das Thema "Züchter oder Tierheim" diskutieren, aber Auslandstierschutz kategorisch abzulehnen, käme für mich niemals in Frage. Ein bißchen mehr Toleranz würde ich mir oft auf beiden Seiten wünschen... Nie im Leben würde ich jemanden dafür kritisieren, weil er für World Vision und nicht für die Arche spendet oder umgekehrt.
Es sind nicht immer nur die armen Tiere in lokalen Tierheimen, die nieeemals ein Zuhause finden, weil die doofen Ausländer ihnen die Jobs... Ähhh, das neue Plätzchen streitig machen (entschuldigt den derben Vergleich, aber oft passt er wie die Faust aufs Auge) und es sind auch nicht nur die Katzen und Hunde aus Spanien, Italien, Griechenland, der Türkei oder sonstwoher, die ein Dach über dem Kopf bei liebevollen Menschen verdient haben. Außerdem: Meint ihr wirklich, Tierheime und Tierschützer aus Deutschland würden sich um die Situation im Ausland kümmern, wenn das unvernünftig und sinnlos wäre? Gerade weil es so oft am Geld fehlt, wäre es doch völlig verantwortungslos, sich freiwillig eine Baustelle aufzuladen, die man nicht tragen kann und außerdem nicht einmal tragen müsste.
Ich schließe mit einem Zitat, bevor ich mich ausklinke, weil mich das Thema emotional durchaus kratzt:
"Science may have found a cure for most evils, but it has found no remedy for the worst of them all - the apathy of human beings." - Helen Keller (1880-1968)
Hat jetzt sicher viel Pathos, aber sagt im Grunde das aus, was ich so wichtig finde.
Helfen sollte man überall dürfen, wenn man das möchte, ohne dafür schief angesehen zu werden.