Meine Liebe,
gerade finde ich zum ersten Mal so etwas wie ein stillen Moment in dem ich meine Gedanken endlich auf dich lenken ist.
Trotzdem schwirrt da so viel in meinem Kopf herum.
"Du solltest noch aufräumen, vielleicht Chemie lernen und ganz unbedingt dieses Ereignis, dass dir heute alles durcheinander gewürfelt hat in dein Tagebuch schreiben..."
Du siehst, es fällt mir schwer, hier Ruhe reinzubringen.
Es passiert so viel...aber vielleicht ist das gut.
Weil es bedeutet, dass ich lebe und dass ich es geschafft habe.
Ich habe es geschafft, diesen Weg der Trauer so weit zu gehen.
Ich bin nicht am Ziel - es wird kein richtiges Ziel geben - aber ich bin schon sehr weit.
So weit, dass ich merke, dass die Zeit meine Wunden geheilt hat.
Und die Narbe darüber zwar geblieben ist, aber aus der anfangs dünnlichen Schicht hat sich nun etwas gebildet, dass mich davon abgehalten hat, dass dieser Tag unheimlich schwer wird.
Ich habe an dich gedacht, sehr oft sogar, aber ich schaffe das Alles mit einem Lächeln.
Ich finde es auch nicht mehr so schlimm, dass niemand an uns gedacht hat (außer Maische - danke dir dafür!).
Ich weiß jetzt, dass du immer da bist.
Ich kann dich fühlen, heute ganz besonders.
Und ich glaube das ist es, was zählt.
Dass unsere Bindung erhalten bleibt.
Dass ich weiß,dass du an mich denkst.
Dass du weißt, dass ich an dich denke.
Ich habe heute noch keine Träne vergossen,
ich habe dein Halsband noch nicht herausgeholt und an dem Duft geschnuppert.
Ich habe dir auch kein Licht zu unserem Platz gebracht.
Heute ist mir nicht danach,
das alles hat Zeit.
Ich weiß, dass du mir nicht böse bist,
denn du weißt, dass auch diese Tage wieder kommen werden an denen ich mit einem traurigen Auge an dich denke.
Aber heute geht es mir gut,
weil ich weiß, dass du weißt, dass ich dich unheimlich lieb habe.