Sorry Leute, aber dafür, dass das hier KEIN Thread pro und kontra Freigang/Wohnungshaltung sein kann, bringt ihr erstaunlich viele Argumente, die explizit gegen Freigang sprechen und mit der ursprünglichen Frage so rein gar nichts mehr zu tun haben.
Wenn es ums Zwingen geht, sehe ich hier auch große Einigkeit: eine Katze, die in der Wohnung glücklich ist, sollte auch in ihren sicheren vier Wänden bleiben dürfen.
Ist jetzt auch nicht wirklich überraschend, dass in einem Tierforum niemand kommt und erklärt, dass er aus Faulheit dafür ist, die Katze vor die Tür zu setzen.
Die Frage erinnert mich aber jetzt auch ein wenig an eine Halterin, die ihren Garten gesichert hat, um ihren Wohnungskatzen ein wenig Auslauf zu ermöglichen.
Viel Arbeit und wenig Erfolg, denn die Katzen hatten anfangs einfach nur panische Angst vor dem großen Draußen... was allerdings auch ein wenig die Schuld der Besitzerin war, die sie für den ersten Freigang einfach auf den Arm genommen und nach Draußen getragen hat. Mitten im Rasen niedergesetzt - die zwei Katzen sehen sich unsicher um - und dann rast ein LKW vorbei, die zwei bekommen Panik und die Wohnungstür war zu.
Das die Katzen dann nicht mehr raus wollten, kann man sich denken.

Letzten Endes gehen die Katzen heute (bzw. nach letztem Stand, ist schon ein paar Jahre her) doch sehr gerne in den Garten, aber eine sehr lange Zeit haben sie nur in der offenen Tür gestanden und sich kaum einen Meter auf die Terrasse getraut.
Ob man die Beiden besser im Haus gelassen hätte?
Der erste Versuch war ganz klar falsch, aber die offene Tür anzubieten finde ich okay - und nahezu jede Katze traut sich über kurz oder lang hinaus, wenn sie einen offenen Fluchtweg in ihr Reich hat.
Also ich glaube, es gibt nur sehr wenige Wohnungskatzen, die wirklich auf Dauer nur Wohnungskatzen sein möchten, aber diese wenigen Wohnungskatzen haben auch das Recht, Wohnungskatzen zu bleiben.
Soweit zur Ursprungsfrage.
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Katzenklappe: Ist es echt Tierquälerei, keine zu haben?
Ich hatte nie eine Katzenklappe ins Haus. Meine Katzen warten vor der Tür und es kommt schon vor, dass den ganzen Vormittag - oder selten auch den ganzen Tag - einmal niemand Zuhause ist um sie rein oder raus zu lassen.
Wenn ich weiß, dass schlechtes Wetter ist, versuche ich sie drinnen zu behalten, aber wenn sie doch unbedingt raus müssen sehe ich auch kein Problem. Sie haben einen wetterfesten, warmen Unterschlupf.
Gefahren: Klar, Freigänger leben sehr viel gefährlicher als Wohnungskatzen. Davon kann ich auch ein Lied singen.

Daran gibt es nichts zu rütteln und wenn jemand sagt, er will kein Risiko eingehen, kann ich das verstehen.
Aber ich sehe auch die andere Seite am Freigang, die schöne Seite. Durchs hohe Gras schleichen, den Gemüsegarten unsicher machen, auf den warmen Steinen liegen, mit der Nachbarkatze spielen, den Nachbarshund ärgern, den Libellen nachjagen, im Schnee herumtollen, auf Zäunen balancieren, ...
Ich bin nicht gegen Wohnungshaltung, aber es ist ein Fakt, dass ein Freigänger eine weit abwechslungsreichere und interessantere Umgebung hat. Allein die ganzen Gerüche und kleinen Tierchen, der Platz! Welche Wohnungskatze kann schon einmal richtig loslaufen, ohne nach fünf Metern an eine Wand zu stoßen?
(Gefährdete) Beutetiere: In der Tat ein Punkt, der auch für mich klar gegen Freigang spricht. Für die Katze gibt es kein schöneres Erlebnis, als eine Maus zu erlegen - aber mir blutet dabei das Herz.
Ich gebe mir dann eben Mühe, wenigstens ein wenig dafür zu sorgen, dass es nicht zu viel Jagdglück gibt. Wobei meine zwei Katzen eh kaum noch Tiere bringen: Tschecki jagd nicht mehr so recht und Flyt ist mit ihren drei Beinen doch erheblich ungeschickter und hat nur noch selten Erfolg (wobei es ja schon erstaunlich ist, dass sie überhaupt noch ab und zu eine Maus oder einen Vogel bringt).
Ich denke aber auch, dass Katzen nie so viele Tierchen töten, wie der Straßenverkehr oder der Mensch überhaupt. Die bedrohten Tierarten sterben aus, weil ihr Lebensraum verschwindet - die Katzen haben daran normalerweise, wenn überhaupt, nur einen verschwindend geringen Anteil.
Zur Bequemlichkeit: Ist es tatsächlich bequemer, eine Katze nach Draußen zu stecken?
Ich behaupte, es ist bequemer, eine Katze in der Wohnung zu behalten. Man muss nicht im strömenden Regen raus, weil die Katze keine Lust hat nach Hause zu kommen, keine Schmutzspuren beseitigen, wird nicht mit Beutetieren (lebendig, tot und halbtot) an allen möglichen und unmöglichen Orten konfrontiert. Man braucht keine Katze nach Zecken absuchen, weiß, wo sich die Katze aufhält und findet sie, wenn es darum geht ihr Medizin zu verabreichen, man braucht sich nicht über Katzenkot im Gemüsebeet ärgern oder kriegt deshalb Beschwerden von den Nachbarn. Man braucht weniger Imfpungen, weniger Entwurmungen, weniger Tierarztbesuche generell. Man hat keine schlammigen Pfotenabdrücke und man muss der Katze bei Regen nicht mit dem Handtuch hinterherlaufen.
Nochmal: Wer behauptet, es ist bequemer einen Freigänger zu haben?!
Zumal mehr als genug Freigänger extra nach Hause kommen, um dort das Katzenklo zu benutzen.
LG
by blackcat