Ich würde mich erstmal nochmals dem Gesundheitszustand widmen.
Erstmal ein Blutbild machen lassen. Gerade Pferde im Aufbau haben oft Probleme. Übermäßiges Schwitzen mit Widersetzlichkeit kommt leider häufig vor, wenn das Pferd schlechte Leberwerte hat. Dann bekommst du ihn auch nicht in einen guten Muskelzustand. Auch die Muskelwerte sind interessant.
Bevor man ein Pferd auffüttert, mit Pülverchen, Zusatzfütterchen, Aufbautraining etc. beginnt, muss man den momentanen Zustand erkunden. Zum Glück ist das nicht ganz so teuer.
Dann musst du nochmals den Sattel anschauen. Er sollte nicht nur passen, er sollte auch genügend Dämpfen. Dreh den Sattel mal um und streich mit Druck mit der Hand über die unteren Polster. Das Material muss federn, sich sofort in seinen vorherigen Zustand zurückversetzen und es dürfen keine Löcher, Knubbel oder Falten fühlbar sein. Das drückt.
Das Pferd sollte dann von der Muskulatur her in der Lage sein den Reiter zu tragen. Viele unterbemuskelte Pferde haben einfach zu wenig Kraft und rennen dann vor dem Ermüdungsschmerz davon.
Ich würde das Pferd erstmal täglich an der Doppellonge oder mit Körperband longieren. Dafür darf der Boden ruhig schwer sein. Aus Ausbinder würde ich dabei entweder verzichten oder diese so lang schnallen, dass nur der Unterhals nicht herausgedrückt werden kann, das Pferd aber den Kopf weit heben und weit vor der Senkrechten laufen kann.
Bei hektischen Pferden mit enormen Bewegungsdrang (wenn keine körperlichen Probleme vorliegen), ist das häufigste Problem zu viel Druck. Die Pferde wollen dem Druck davonlaufen. Das Pferd muss lernen, dass es laufen darf. Schon beim Longieren gilt, wenn angaloppiert wird, dauert das länger. Einfach mal auf die Uhr sehen und das Pferd 15 Min galoppieren lassen (alle 5 Min. Handwechsel). 5 Min. können da ganz schön lang sein.
Meine Pferde werden vorwiegend galoppiert und können im voll trainierten Zustand locker 45Min. durchgaloppieren ohne gleich komplett durchgeschwitzt zu sein.
Den folgenden Tipp habe ich schon bei einigen 'Rennsemmeln' angewendet und er funktioniert gut. Pass aber auf, ob du dazu in der Lage bist. Wenn du Bedenken hast, lass das lieber deinen RL machen.
Das Pferd antraben und einfach ohne viel Druck traben lassen. Der Reiter sollte sich beim Leichttraben dem Pferd vollkommen anpassen, nur Widersetzlichkeiten wie Bocken oder Wegspringen werden verboten.
Nach einigen Runden (man fühlt wann das Pferd bereit ist), steht der Reiter beim Leichttraben langsamer auf. Es kommt auf das Aufstehen an, nicht auf das Hinsetzen. Man steht schön weit auf, nur etwas verzögert. Das Pferd hat sich rennend vom Reiter nicht gestört gefühlt und empfindet diese Verzögerung jetzt als Störung. Die meisten Pferde werden dann schon langsamer, weil sie einfach das Gefühl, dass der Reiter angenehm ist, wieder herstellen wollen. Ignoriert das Pferd diese Hilfe nach einer halben Runde immernoch, kommt eine Parade am äußeren Zügel, in dem Moment, wenn sich der Reiter beim Leichttraben setzt.
Das gleichseitige (also äußere) Hinterbeim muss in dem Moment einen kleineren Tritt machen, das innere Hinterbein wird nicht gestört und somit wird das Pferd (z.B. in Wendungen) auch nicht im Gleichgewicht gestört.
Das Pferd soll so lernen, dass der Reiter störender Gegner ist, den man bekämpfen muss, sondern angenehm.
Im Galopp hilft dann folgendes (wieder Achtung, besser den RL machen lassen oder einen Reiter, der sich damit auskennt):
Das Pferd angaloppieren und einfach laufen lassen. Das Pferd nicht stören, evtl. leichten Sitz. Kurz bevor das Pferd durchdreht und mental nicht mehr beim Reiter ist (man fühl den Punkt, das erfordert aber etwas Erfahrung, daher bitte den RL reiten lassen), stoppt man das Pferd.
Das Pferd wird gelobt und wieder angaloppiert. Dieses Prozedere dauert länger. Das Pferd muss lernen, dass es laufen darf und nicht gleich durch Zügeleinsatz blockiert wird. Es darf ja auch flott laufen, aber kontrolliert. Nach und nach schleicht man die Hilfen dann ein.
Solchen Pferden sollte man sich am Anfang erstmal anpassen, denn sie verspannen sofort, wenn der Reiter disziplinarische Maßnahmen einleitet und sofort bremst. Diese Verspannung löst sich meist nicht mehr und artet häufig in Widersetzlichkeit aus.
Diese Pferde reite ich vor und nach der Arbeit niemals Schritt. Dafür sind sie am Anfang zu angespannt. Ich steige ab und führe. Auch in den Pausen, die ich zwischendurch mache steige ich ab und führe. Das Pferd soll lernen, dass es sich zu konzentrieren hat, sobald ich im Sattel sitze. Wenn ich Schritt reite, dann arbeite ich, d.h. am Anfang viel Seitwärts. Auch bei der Bodenarbeit achte ich sehr darauf, dass ich das Pferd an den Stellen touchiere, an denen ich auch mit dem Schenkel arbeite. Die Bodenarbeit mache ich mit Sattel. Später steige ich auch einfach mal auf und reite eine Bodenarbeitsübung.
Das Seitwärts erhöht den Schenkelgehorsam, so dass man später auch nicht mehr das Problem hat, dass das Pferd bei Schenkeleinsatz sofort davonschießen will und sich das 'Lenken' somit auf die verhassten Zügelhilfen reduziert (dann fällt das Pferd eben über die Schulter, da es die äußeren Hilfen ja nicht akzeptiert).
Dieses Programm dauert je nach Pferd bis zu 2 Monaten.