Hallo,
ich misch mich auch mal ein und erzähl euch einfach mal von meinen Erfahrungen...
Ich bin chronisch depressiv seit ungefähr 7 Jahren oder sogar noch länger. Damals, ich war 13, fings damit an, dass ich viel gegrübelt habe. Ich wurde in meiner Schulzeit auch immer gemobbt, weil ich dick war (bzw. bin

), in der Grundschule war es besonders schlimm.
Nebenbei entwickelten sich auch Ängste (im dunkeln z.B.) und Zwänge, z.B. musste ich alles, was ich mit der linken Hand tat, auch mit der rechten machen und andersrum.
Die Depressionen haben allerdings immer überwiegt.
Als ich 15 war, starb meine Mutter, ganz plötzlich und unvorhersehbar. Ich konnte kaum mehr schlafen, hatte noch dollere Ängste (vor Einbrechern, Mördern, Gespenstern, Vampiren und Verlustängste) und in der Schule gings immer mehr bergab.
Ich kam in eine betreute Jugend-WG, kam irgendwann das 1. Mal in die Psychiatrie (damals noch Kinder- und Jugendstation).
Ich blieb in der 11. Klasse sitzen, zog in meine eigene Wohnung mit 18, in der neuen Klasse liefs auch scheiße. Ich fing an Drogen zu nehmen, weinte meiner 1. großen Liebe nach und stritt mit meinem Vater.
Ich kam das 2. Mal in die Psychiatrie, diesmal halt für Erwachsene. Das war schön, hat gut getan, man war von seinen Sorgen und Verantwortungen etwas befreit, die Leute um mich herum schienen zu verstehen, dass es mir wirklich schlecht geht.
Und auch ich begann zu lernen und zu verstehen mit meiner Krankheit umzugehen.
Ich begann eine Therapie, brach sie aber sehr schnell wieder ab, weil ich mit der Therapieform und der Therapeutin überhaupt nicht zurecht kam.
Ich suchte ewig nach den richtigen Tabletten in der richtigen Dosierung (Antidepressiva).
Ich schaffte dann die 11. Klasse mit Krach und Bumms oder wie man sagt, doch in der 12. wurds auch nicht besser, ich hab mir tierischen Leistungsdruck gemacht usw.
Ich entwickelte Psychosen, es ging mir immer schlechter, bis zu der Nacht, in der ich zum 3. Mal in die Psychiatrie kam.
Zuvor schleichte ich durch Berlin, heulte, fuhr mit zig Bussen und Bahnen und das nur, weil ich den Weg nach Hause nicht mehr fand. Das waren schreckliche 6 Stunden. Bis ich dann von Fahrkartenkontrollören aufgefriffen wurde, weil ich kein Ticket hatte. Konnt mich nicht mit denen verständigen, sie riefen die Polizei an und die brachten mich zur Klinik.
Dann kam ich also zum 3. mal in die Psychiatrie. Ich fing immer mehr an, meine Krankheit zu verstehen und mit ihr umzugehen, was zwar leider nicht am Klinikaufenthalt an sich lag, aber es ging mir trotzdem irgendwie besser.
Ich lernte dort meinen jetzigen Freund kennen. Seit ich ihn hab geht es mir arg besser. Ich bin zwar immer noch krank, aber ich kann gut damit umgehen.
Mit meinem Vater, dessen Lebensgefährtin und meinem Bruder habe ich nur noch sehr selten Kontakt. Es ist schade, aber vielleicht ist es im Moment besser so...
Bin jetzt auf dem Weg, mein Leben zu finden, mich darin zurechtzufinden und irgendwie immer weiter zu kommen. Es liegen zwar viele große, schwere Steine auf diesem Weg, aber irgendwie kommt man doch immer rüber oder dran vorbei. Und das ist das, was ich all die Jahre gelernt habe.
Also Leute, kurze Rede, langer Sinn, gebt die Hoffnung niemals auf, es gibt Phasen im Leben, die einen zur Verzweiflung bringen. Doch wie auch immer man es sehen mag, ob es nun Gottes Prüfungen sind oder man einfach ne kleine Macke hat, irgendwie schafft man es immer, wieder hoch zu kommen, auch wenn es lange dauern mag.
Auch die Ängste und Zwänge spielen natürlich noch Rollen, aber sie sind weniger geworden. Ich muss jetzt nicht mehr jedes mal meinen Vater anrufen, wenn ein Krankenwagen an mir vorbei fährt. Zwar ist die Angst, dass etwas passiert in mir, aber ich weiß, dass ich jederzeit erreichbar bin, falls etwas passiert.
Die Wohnungstür muss zwar feste zu sein, aber wenn sies einmal ist, dann reichts auch..
Ich habe bis jetzt keine weitere Therapie angefangen und fahre damit glaub ich auch ganz gut. Irgendwann bin ich vielleicht bereit dafür.
Haja, bisschen was lang geworden, ich hoffe, es stört keinen.