hui, hier gehts ja spannend zu.

Ok, die, die mich kennen, wissen ja bereits, was von mir nun kommt. :mrgreen:
Ich denke, mein Programm geht in etwa in das von Leika.
Also ich sags mal so: früher, als ich 100% gearbeitet hatte, da war ich vor der Arbeit (halt um 6 Uhr morgens) mit den Hunden gute 30 Minuten unterwegs (Pisirunde, schnüffeln, gar nichts arbeiten, einfach Hund sein). Dann lagen die absolut ruhig unangebunden in der Lagerhalle auf der Decke und rührten sich 4 Stunden nicht! Mittagspause mindestens 1 Stunde, wenn immer möglich mit dem Fahrrad, unterwegs immer mal Pausen mit Gehorsamsübungen und Suchspielen. Manchmal aber auch nur eine Runde zu Fuss, ganz gemütlich, mal mit Spielen und Arbeiten, manchmal aber auch ohne (wenn ich z.B. eine Arbeitskollegin dabei hatte).
Dann wieder 4 Stunden auf der Decke liegen und dann abends nochmals ne Runde. Im Sommer konnten das gut und gerne 4 Stunden sein, so schön in den Sonnenuntergang laufen. Im Winter halt etwas kürzer, dafür wurde dann zuhause noch getrickst oder aber mit dem Futterball das Futter erarbeitet oder Futter in der Wohnung versteckt.
Ganz früher kam Kylja auch zum Reiten mit, trat mit den Isländern auf Shows auf und lief Wanderritte mit. Da lief sie gut und gerne mal 6 Stunden am Pferd. Aber da lief sie einfach mit. Keine Arbeit, keine Suchspiele, nur laufen.
Am Wochenende war ich immer unterwegs, mehrere Stunden. Das sind Spaziergänge, ich arbeite da meistens in Intervallen mit den Hunden, sie sollen Hund sein, plötzlich schmeisse ich mal einen Ball weg, laufe 50 m weiter, rufe dann die Hunde (die dann natürlich voller Motivation auch immer gleich kommen, weil sie wissen, sie dürfen nun arbeiten) und dann wird gesucht.
Heute ist es so dass ich nicht mehr bei der gleichen Arbeit bin, ich bin inzwischen mehrmals wöchentlich mit einem Rudel Hunden unterwegs, die ich von anderen Leuten ausführe oder helfe Leuten, Hunde zu trainieren. So habe ich natürlich mehr Zeit. Alerdings ist es auch so, dass auf den Runden mit anderen Hunden sehr oft nicht gross gespielt wird. Da sind wir im Rudel, da sollen die Hunde einfach Hunde sein und sich auch miteinander beschäftigen.
Gerade bei Borders ist es schon so, wenn man die ganze Zeit nur Ball spielt oder Stöckchen durch die Gegend wirft, dann werden die extrem penetrant und nehmen von der Umgebung nichts mehr wahr, schnüffeln nicht mehr sondern umkreisen (manchmal noch bellend) nur noch den Menschen---sowas geht bei mir gar nicht! Sobald ich den Ball einpacke, sind meine Hunde wieder Hunde und keine Arbeitstiere, die nur auf den Ball oder Dummy lechzen.
Gerade heute war ich morgens 1 Stunde mit Nupri unterwegs (Training mit einem jungen Aussie, da nehme ich ihn gerne mit), danach war ich mit beiden Hunden und einer Freundin 4 Stunden in der Sonne. Wir haben etwa 15 km gemacht, die Hunde ein vielfaches mehr, da wir aber viel zu plaudern hatten, liessen wir die Hunde auch Hunde sein und haben nur 3 Einheiten à etwa 15-20 Minuten mit Suchspielen gemacht.
Gerne gehe ich mit den Hunden auch mit dem Fahrrad, selbst meine über 11 jährige Hündin kommt da gerne noch mit, natürlich nicht 3 Stunden lang. Aber ein ruhiger Trab hat bisher weder einem jungen noch einem alten Hund geschadet. Und ist gut für die Kondition und auch Herz/Kreislauf/Durchblutung.
Ich finde es halt immer wieder spannend, wie viele Leute sich einen Arbeitshund kaufen und dann diesen kaum belasten. Natürlich soll ein Border, Cattle, DSH, Herder, Kelpie oder was weiss ich, nicht den ganzen Tag rumrennen und rumhypern, aber so ein Hund hat nun mal ein Grundbedürfnis an Bewegung, was ein Basset oder Bernhardiner wohl nicht hat.
Und ich kenne sehr viele Hunde (und habe auch solche im Training!) die sich wirklich massivste negative Verhaltenweisen angewöhnt haben, weil sie einfach vorallem körperlich nicht gefordert werden! Ich selber (und das schreibt auch Foss, betr. Akos, was ich sehr spannend finde) habe die Erfahrung gemacht, dass viele Arbeitshunde ZUERST körperlich gefordert und ausgepowert werden müssen, bevor sie geistig überhaupt aufnahmefähig sind. Nupri ist heute 6 Jahre alt und hat das immer noch.
Und es ist auch spannend, dass gerade viele Aussiehalter nichts anderes predigen als den Hund ruhig halten. Warum soll man so einen Hund ruhig halten? Und wie erkennt man, ob sein Hund nun genug bewegt wurde und wie erkennt man, wenn er mehr Bewegung möchte / braucht? Vielleicht durch Anpöbeln anderer Hunde? Vielleicht durch Zuhause Tapeten runterholen? Durch Katzen oder Rehe oder Vögel jagen? Durch Zerren an der Leine?
Er soll rennen, er soll toben. Ich finde es spannend, dass wirklich ALLE diese Aussies, die so gehalten werden und die ich kenne, z.B. nicht vernünftig an der Leine laufen (es sei denn, Frauchen hat Leckerli in der Hand...) Und ich bin der Meinung, das diese Hunde auf diese Art sich "beschweren" Habe selber solche im Training. Die eine zerrt an der Leine, jagt Krähen und attackiert ab und an mal einen Spaziergänger. Spannend aber, dass dieser Hund, seit er regelmässig mit mir unterwegs ist, diese Verhaltensweisen schon fast abgelegt hat. Und er ist nicht fordernder geworden. Im Gegenteil. Zuhause ist Ruhe. Nach wie vor.
Und ich denke, DAS ist der Punkt: Hund soll rennen, toben. Soll arbeiten, denken. Futter verdienen. Aber: er muss dann auch lernen, wann Ruhe ist! Der grösste Fehler, den viele machen ist meiner Meinung der, dass die Leute den Eindruck haben, ein Arbeitshund muss dauerbespasst werden. Ich kann nicht mit dem Tier 4 Stunden Fahrrad fahren, Hund kommt völlig überdreht heim und will dann noch Ball spielen. DAS würde ich dann unterbinden. Nach dem Fahrrad fahren ist Ruhe angesagt. Und wenn man dies einhält, kann man den Hund auspowern, seinem Temperament und Chrakter entsprechend aber dann auch auf Ruhe beharren. Also ist hier nicht grundsätzlich das Auspowern, sprich die Bewegung das Problem sondern die Disziplin des Menschen gegenüber seines Hundes. Aber mit einem Hund, der vorher 2 Stunden rennen durfte und theoretisch auch müde sein sollte, fällt es dann doch auch leichter, eben diese Disziplin der Ruhe durchzusetzen. Geht zumindest mir so! :lol:
Wenn ich zu Hause bin und mein Hund nach 2 Stunden Schlafen die Idee hat, er will nun spielen und mir mit zuckersüssem Blick den Ball bringt, dann sollte ich nicht drauf eingehen. Denn dann fordert der Hund die Aufmerksamkeit, wenn man darauf eingeht, dann fordert der Hund immer mehr. Und so entsteht meiner Meinung nach der hyperaktive Hund.
Es ist wichtig, dass der Mensch entscheidet, wann ist Ruhe und wann nicht. Nicht der Hund.
Aber: ich kann von einem Arbeitshund nicht Ruhe fordern, wenn er vorher nicht ausgepowert wurden. Das ist mein Fazit.
Ansonsten entstehen unter Umständen die Verhaltensweisen, die ich oben schon beschrieb. Oder dann hat man einen Hund der, wenn er dann endlich mal rennen darf, total austickt und kaum mehr zu bändigen ist. Klar, wenn er nicht regelmässig darf, sammelt sich die Energie und da braucht es irgend ein Ventil, wo die raus muss. Und dann kann man nur sagen: wehe, wenn sie losgelassen... :mrgreen: Da geht dann die Post ab, es werden andere Hunde angepöbelt, da gibts richtig fette Party.
Wie selbst vor wenigen Tagen Para (sie hatte mich auch schon besucht) in meinem Thread beschrieben hat: meine Hunde sind absolut ruhig und ausgeglichen. Und die Leute, die bei Leika waren, sagen genau das gleiche. Ist doch spannend...
