Ich möchte gern etwas aus meinem Buch hier rein schreiben. Ich dachte das interessiert vll den ein oder anderen.
Aus der Überschrift: Die Befürfnisse des Pferdes
Futtersuche
In der Natur ist das Pferd darauf ausgerichtet, mehr als die Hälfte der Zeit mit dem Kopf auf dem Boden in "Minimalenergiehaltung" zuzubringen und Futter aufzunehmen, ca. 15 bis 18 Stunden. Dann sprechen wir natürlich über Grünfutter oder Getreide in unverarbeiteter Form. Unsere Fütterungsprakriken, wobei wir Energie und Inhaltsstoffe konzentriert im Kraftfutter anbieten, sind daher nicht unbedingt artgerecht. Vor allem dann, wenn nur ein- oder zweimal am Tag gefüttert wird, vermisst das Pferd im Stall nicht nur die langen Fresstätigkeiten an sich, sondern auch die Körperhaltung mit der Nase auf dem Boden. Da es im Stall auch fürchterlich stinkt, wählt es das kleinere Übel. Es nimmt eine Körperhaltung ein, die es nie über eine so lange Zeit einnehmen müsste, wenn es auf der Weide oder im Auslauf wäre, wo es viele kleine Mahlzeiten oder permanent Zugang zu Raufutter hätte, das es vom Boden oder einem Futterspender in Bodennähe aufnehmen kann.
In der Natur kommt exzessiver "Futterneid" wie bei der Kraftfutterfütterung im Stall kaum vor, da meist das Futterangebot über eine große Fläche verteilt ist und- vorrausgesetzt das Angebot ist ausreichend- keinen Grund besteht, sich um die eigene Futterversorgung Sorgen zu machen.
Bewegung
Das Pferd ist in der natürlichen Situation gewöhnt, kilometerweite Wanderungen meinst im Schritt und im Gänsemarsch durchzuführen. Aber daneben natürlich auch im Bewegungsspiel seinen Körper fit zu halten und bei Gefahr oder emotionalen Äußerungen sein gesamtes Bewegungspotential ausleben zu können.
In der reinen Boxenhalung ist all dies nicht möglich. Das Pferd verbringt nicht nur den ganzen Tag nicht nur in unnatürlicher Haltung, sondern auch das, was es an beschränkter Bewegung ausführen kann, entspricht nicht dem, was es seinen Bedürfnissen zufolge tun möchte. Dies führt zu Druckaufbau, der sich dann meist auf eine Art und Weise Luft macht, wenn das Pferd doch einmal freigelassen wird, die leicht zu Verletzungen und Muskelkater führen kann. Wenn man sein Pferd nur kurzfristig und selten frei laufen kann. Wenn man sein Pferd nur kurzfristig und selten frei laufen lässt, dann ist das viel gefährlicher, als wenn es seinen Bewegungsbedürfnissen permanent nachgehen kann. Muss ein Pferd nach einer Verlertzung tatsächlich einmal "stehen", dann sollte auch das freie Bewegen langsam wieder aufgebaut werden und der Besitzer für ein entsprechendes Aufwärmen sorgen. Meine Pferde sind gewöhnt, dass sie erst in die Führmaschine kommen oder im Schritt geführt werden, bevor sie sich austoben dürfen. Selbst beim Longieren zu Spielzwecken machen sie erst geduldig die Aufwärmphase mit, bevor sie bocken oder springen. Und auch dann lassen sie sich sofort wieder beruhigen, wenn sie zu wild werden. Beim Reiten bockt keines meiner Pferde einfach so, um seinen aufgestauten Bewegungsdrang ausleben zu müssen. Selbst dann nicht, wenn die anderen Pferde auf der Koppel neben dem Reitplatz sprinten, rennen, spielen oder bocken. Sie haben keinen Energieanstau, da sie in Freihaltung ihr Bewegungsbedürfnis ausleben können.
Ruhe und Erholung
Pferde ruhen immer wieder über den Tag verteilt, meist im Stehen. Dann dösen sie und schließen sich von den Außenreizen ab. Das tun sie allerdings nur, wenn sie sich sicher und ungestört fühlen. Oft auch in direkter Nachbarschaft zu einem oder mehreren Freunden. Aber auch Liegen und Schlafen gehören zum täglichen Verhaltensrepertoire. Im engen Stall ist das häufig nicht möglich, da das Pferd zu wenig Platz hat oder sich nicht sicher genug bewacht durch seine Herdenpartner fühlen kann. Meine Pferde, die im Gruppenauslauf trocknen Sand haben, schlafen such tagsüber oder nehmen ein Sonnenbad. Immer aber bleibt ein Herdenmitglied stehen und passt auf.
Körperpflege
Pferde brauchen das Bad in Sand oder Erde ebenso wie die Möglichkeit, sich wälzen, schütteln und kratzen zu könnnen. Haben sie die Möglichkeit ins Wasser zu gehen, dann nutzen sie das auch. Sie sind dann zwar nicht permanent sauber, aber der festgetrocknete Schlamm sorgt dafür, dass die Haut und Haare in Funktion bleiben. Im engen Stall kann das Pferd diese Bedürfnisse nicht oder nur sehr ungenügend befriedigen. Immer wieder festliegenede Pferde, die sich dabei verletzen können, zeigen, dass diese Bedürfnissbefriedigung in der Boxensituation gefährlich werden kann.
Soziale Kontakte
Ganztägig suchen Pferde Sozialkontakt auf verschiedenste Weise. Kratzen und Fellpflege, nebeneinander dösen, spielen oder die Regeln wiedereinmal klar aussprechen. Paare oder Kleingruppen unternehmen etwas zusammen, "sprechen" miteinander und verstärken ihre Bindungen. Im Stal, vor allem dann, wenn die Pferde einander nicht sehen, riechen oder berühren können, ist es nicht möglich, diese Bedürfnisse auszuleben. Dazu kommt in der Boxen- und Ständerhaltung, dass rangniedere Pferde den Aufforderungen der Ranghöheren, ihnen Platz zu machen, nicht nachkommen können. Das führt zu exra Stress, vor allem in der Fütterungssituation. Natürlich gehört ein Stück Aggression und Konfliktverhalten auch zum normalen sozialen Repertoire. Aber "absichtlich" verwunden sich Pferde nicht gegenseitig. Konflikte lösen sich meist durch die soziale Kommunikation in Wohlgefallen auf. Aggressionverhalten wie bei Schimpansen, die auch imstande sind zu morden oder Kriege zu führen, ist bei Pferden nicht beobachtet worden.
Quelle: Die Psyche des Pferdes von Ulrike Thiel
Meine Meinung zu dem ist das ich das nicht ganz toll finde mit der Führmaschiene. Ansonsten ist es sehr interessant und ich lese das Buch mit großer Begeisterung.
lg sato