Wir haben, als unser Hund neu zu uns kam, aus Unwissenheit insgesamt 3 mal den Alphawurf angewendet. Jetzt weiß ich wesentlich mehr und ich kann euch sagen, ich bereue es sehr. Außer, das ich hinterher putzen musste (weil der Hund sich vor Angst eingepinkelt hat) hat es überhaupt nichts gebracht. Im Gegegenteil hat es gerade am Anfang bestimmt sehr viel Vertrauen zerstört. Ich bin mir zudem sicher, das viele Themen, die uns Anfangs Probleme bereitet haben, sogar davon begünstigt wurden. Wenn ich könnte, würde ich es sofort rückgängig machen.
Ich habe schon so oft gesehen, das Millan einen Hund in´s Platz zwingt und dann sagt, das er jetzt Entspannt ist. Der Hund liegt aufrecht, Ohren aufgestellt in Richtung der Gefahr, voll aufmerksam, teilweise sogar am Zittern vor Anspannung. Entspannt sieht für mich anders aus. :eusa_think:
Gerade bei schwierigeren Fällen finde ich das eher bedenklich. Und ich kann mir auch nur schwer vorstellen, das die Methoden daheim alleine dann auch klappen.
Bezüglich der Energie, von der Millan immer redet:
Jeder merkt doch bei sich selbst, das die Stimmung einen Einfluss darauf hat, wie ich mich verhalte. Manchmal geht einem eine Sache tierisch auf den Keks, die an einem anderen Tag nicht mal ein Kopfschütteln wert gewesen wäre. Die Energie spürt aber nicht nur der Hund, dies merken auch andere Menschen. Es ist nur logisch, das sich unser Verhalten, ob bewusst oder unbewusst, auf die Umgebung auswirkt. Nicht umsonst heißt es, man soll mit seinem Hund nicht trainieren, wenn man grade gestresst ist oder schlechte Laune hat.
Nicht jeder Mensch ist souverän. Viele sind sprunghaft, schnell gestresst, launisch oder schwach, kleinlaut etc. Alles keine guten Vorraussetzungen für einen "Rudelführer". Wie soll ein Mensch, der eher schüchtern oder sehr hibbelig ist, einen starken Führer darstellen, dem der Hund blind vertrauen kann? Daher finde ich es auch gut, das Herr Rütter sagt, er arbeitet mit den Menschen, nicht mit den Hunden.
Ich will damit nicht sagen, das Menschen, die nicht ganz so souverän sind, keinen Hund halten sollen. Ich will damit sagen, das die Methode immer an die jeweilige Situation angepasst wird.
Nach dem Post von Stoffel habe ich mal positive Strafe gegoogelt und dabei diesen Beitrag gefunden, wen es interessiert:
http://www.hundehobby.com/strafe/strafet.html
Interessant finde ich die Erkenntniss, das positive Strafe zu einer gesteigerten Aggressionsbereitschaft (auf beiden Seiten) führen kann. Darüber muss ich noch ein bisschen nachdenken...
EDIT (automatische Beitragszusammenführung)
als ich die Folge gesehen habe wo er die Windspielrasselbande mit dem Yorkshire an Daddy gebunden hat, war ich schon beeindruckt, denn da konnte man wirklich sehen, was ausgeglichenheit und ruhe bedeutet.
Ich habe das auch gesehen. Daddy war ausgeglichen und ruhig, der kennt nix anderes. Aber hast du dir die anderen Hunde mal angesehen? Auch wenn Windies eine etwas andere Körpersprache haben, hier war nix entspannt oder ruhig für die Kleinen. Schwanz geklemmt, zitternd, leicht geduckt, Ohren angelegt, immer so weit weg wie möglich vom großen Hund.
Was würdest du denn machen, wenn du als unsozialisierter, unsicherer Hund an einen körperlich so überlegenen Fremden gebunden würdest? Entweder versuchen abzuhauen (ging nicht, CM hat sie immer wieder näher an Daddy geschoben, wenn sie die Leine gespannt haben) oder erstarren und stehenbleiben, so wie die armen Mäuse.
Ich finde es schon immer bedenklich, wenn er seine beiden Großen einfach ohne "Vorstellung" mit in ein Haus nimmt. Schließlich stellt das auch das Eindringen in einen privaten Raum dar, zumal die Beiden meist umgehend Decken und Spielzeug in Beschlag nehmen. Das kann auch bei einem friedlichen Hund nach hinten losgehen. Das Risiko wäre mir zu groß.
Naja, aber wahrscheinlich drückt er dann den Angreifer in´s Platz und sagt ihm, er soll sich entspannen.
Die anderen Maßnahmen (mehr Bewegung, durchsetzen von Regeln etc.) schön und gut, aber muss es dann am Ende immer so eine Show geben? Bloß, weil mans kann?