Diese Aufgabe fiel mir unendlich schwer. Der Glücklichste Moment war sicher, als ich den kleinen Fratz, der einmal Sir Bernhard heißen sollte neben seiner Mutter in der Box fand. An Fotos habe ich als Letztes gedacht - nämlich gar nicht.
Dann noch der Moment, wo er von sich aus seine Scheu verlor und das erste Mal auf uns Menschen zuging. Eine Kamera war zur Hand aber Bilder von Fohlen sind No Go.
Tja, dann ist da natürlich noch die Körung. Als zweitbester Hengst Deutschlands 2010, das war schon etwas und minutiös in Bild und Video festgehalten. Stolz - JA. Glücklich - auch. Aber hätte ich ihn weniger lieb gehabt, wenn er sogar ungekört geblieben wäre - nein. Also ungeeignet.
Ich habe mich für seine Lebensgeschichte entschieden.
Bernhard ist selbstgezogen, er gehört meinem Freund. mit 3J und 4 Monaten habe ich ihn angeritten.
Das Anreiten war schwierig, Bernhard war zwar superbrav aber ich konnte ihn nicht motivieren. Er mochte nicht angefasst werden und ekelte sich regelrecht davor. Ich konnte ihn nicht motivieren.
2 Monate lang habe ich ihn vor und nach dem Reiten massiert und mit den Händen geputzt, bis er entspannte und mich endlich als angenehm empfand. Das konnte dann schon einmal 1-2 Stunden dauern, bis er meine Berührungen und Stimme endlich genoss.
Danach war das Reiten ein Kinderspiel, er ließ sich allein durch Stimme und Streicheln motivieren und strengte sich unendlich an.
Nach 3,5 Monaten kam ein plötzlich und völlig unerwartet ein ungeheuer hohes Kaufangebot. Er stand ja gar nicht zum Verkauf. Mein Freund schlug das Angebot aus, für ihn war dieses das Anzeichen, dass der Hengst eine große Zukunft vor sich hatte.
Ich traute mir dann nicht mehr zu, das Pferd weiter auszubilden und Bernhard ging ins Ausland zu einem Ausbilder, den mein Freund schon über 10 Jahre kannte und ihm vertraute.
Bernhard sollte 1,5 Jahre dort bleiben und in dieser Zeit schonend ausgebildet und geshowt werden.
Nach 2 Monaten fragte der Bereiter, ob er Bernhard in der NRHA Futurity reiten dürfte (eine sehr hoch dotierte Prüfung für 3 und 4jährige Pferde).
Wir merkten an, dass er zwar startberechtigt (da einbezahlt) wäre, aber die Zeit zur Vorbereitung zu kurz wäre, da die Konkurrenz normalerweise schon im Alter von spätestens 2 Jahren angeritten wird. Der Trainer meinte, dass Bernhard so viel Potential hätte, dass er es locker bis mind. ins Finale schafft. Also gaben wir ihm die Erlaubnis, wenn das Pferd die Leistung wirklich bringt, ansonsten könnte er ja im Folgejahr (Maturity 5-6jährige Pferde) noch starten.
Bei unseren seltenen Besuchen merkte ich an, dass der Hengst unglücklich ist und sich nicht wohl fühlt. Tja -Weibergequatsche. Selbstverständlich wurde mir unterstellt, dass ich den Hengst nur wieder bei mir haben wollte und eben viel zu emotional wäre.
Bernhard war unglücklich! Der Trainer beschwerte sich zudem, dass Bernhard schnell schwitzen würde und Probleme mit der Nachgiebigkeit hätte.
Mein Weibergequatsche wurde mal wieder überhört und belächelt. Mein Freund kaufte mir ein neues Pferd, das als zwischen Genie und Wahnsinn angeblich unreitbar war, permanent unter Hormonbehandlung stand und von dem Trainer nur noch sediert geritten wurde (wenn du die reiten kannst, ist sie gekauft - ein so schönes Pferd habe ich nie weider gesehen). Ich wurde abgelenkt, damit ich Bernhard vergessen sollte, denn täglich jammerte ich nach ihm (Weiber eben). Diese Stute wurde übrigens nach 1 Jahr ein ungeuer sicheres und total zuverlässiges Anfängerpferd, mit extremer Leistungsbereitschaft als Sportpferd.
Zurück zu Bernhard. Nach 6 Monaten in Beritt dann der Schock. Wir sahen ein schlimmes Video, Bernhard war wie tot, er funktionierte wie ein Automat, ohne Schmerzempfinden. Der Bereiter beschwerte sich über mangelnde Mitarbeit des Pferdes. Bernhard wurde 2 Tage später sofort heimgeholt.
Das Fazit war niederschmetternd! Muskelentzündung (schwer, mit entsprechend nicht reversibler Muskelverkürzung) im Hals, der rechten Schulter und der Lende, sehr schlechte Leberwerte aufgrund der hohen Entzündungswerte, Nervenentzündung im Rückenmarck (bis heute schlechte HH Koordination, was er durch Engagement und unermüdlichen Arbeitswillen wettmacht), Loch in der Zunge, tiefer Riss in der Zunge (scharfe Gebisse), mehrere Querriefen in der Zunge (diese ist bis heute recht unempfindlich).
2 Tierärzte gaben ihm keine Chance mehr.
Erst der 3. Spezialist behandelte ihn und nahm den Anfahrtweg von 70km (einfacher Weg) auf sich. Bernhard bekam insgesamt 3x 5 Spritzen ins Rückenmarck, täglich 2x Magnetfeldtherapie, tägliche Spritzen, täglich Solarium und Physiotherapie. Das Ganze ging 6 Monat lang.
Ich saß oft weinend auf ihm, wenn ich ihn nach Anweisung des Physiotherapeuten ritt, ich fügte ihm damit unendlich Schmerzen zu und er ertrug diese, er stöhnte nur und machte trotzdem mit.
4 Jahre später wurde er als zweitbester Hengst des Jahres in Deutschlands gekört.
Die Bilder zeigen ihn bei dem Trainer, man sieht deutlich das leidende Pferdeauge.
Das zweite Bild bitte ich zu beurteilen. Es ist das Bild, als ich ihn wiederhatte und sich der sonst gegen Menschen so reservierte Hengst an mich schmiegte und endlich innere Ruhe hatte - er war daheim.
Dieses Pferd tut alles für mich! Das hat er bis heute auch mehrfach bewiesen. Wir gehören einfach zusammen.

