Ich halte das für Quatsch, aber gehen wir mal davon aus, dass ich keine Ahung habe
Ich glaube nicht, dass du keine Ahnung hast, sondern eher, dass du es noch nicht erlebt hast.
Ich sehe auch nur selten Leute, die ihre unangeleinten Hunde richtig im Griff haben (und sie auf Abstand zu mir halten, wenn ich einen Abstandswunsch deutlich mache). Und ich kenne nur eine handvoll Leute, die ihre Hunde so gut erzogen haben, wie ich meine.
Es ist halt leider selten, aber deswegen noch nicht unglaubwürdig.
Ich meine, hätten deine Großeltern dir vor zwanzig Jahren geglaubt, dass ein Hund DAS! kann??:
http://www.youtube.com/watch?v=X-EZY1JDR2g
und es so für dich und deine Hunde funktioniert, dann bleibt doch die Frage: Woher sollen entgegenkommende Passanten das bitte wissen?
Indem sie es erleben. Sie machen eine gute Erfahrung mit einem Hund. Indem sie nicht belästigt werden. Das Gehirn programmiert sich neu. Die alte Erwartungshaltung wird revidiert.
Wir müssen ja nicht mal über Leute mit Hundeängsten sprechen, nehmen wir an ich bin mit meinem (angeleinten) Hund unterwegs. Der Hund ist angeleint weil er sich nicht mit anderen Rüden verträgt. Nun kommt mir ein unangeleinter Hund entgegen, natürlich kann ich aus der Entfernung nicht sehen ob es ein Rüde ist oder eine Hündin, also nehme ich das "Schlimmste" an und stelle mich schon mal innerlich darauf an, dass der Hund gleich rankommt und anfängt meinen Hund zu bedrängen (Kopf und Pfote auflegen, aufreiten etc) während mir der Besitzer "Der tut nichts!" zuruft und es Sekunden später auch schon zur Rauferei kommt wenn mein Hund versucht den fremden Rüden wegzubeißen.
Das sind Phantasien.
Die sicherlich auf Erfahrungswerten beruhen, da hast du recht.
Gerade deswegen ist es so wichtig, dass der Passant neue, gute Erfahrungen macht. Mit einem unangeleinten Hund. Wenn ich meinen Hund anleine, bringe ich dem Passanten bei: Nur ein angeleinter Hund ist kontrollierbar.
Und so würde ich meinen Teil dazu beitragen, dass in der Gesellschaft sich der Glaubenssatz verfestigt, dass ein nicht angeleinter Hund nicht kontrollierbar ist.
Das widerstrebt mir aber zutiefst.
Die Erde IST nunmal nicht flach. Warum soll ich dem Mainstram konform mit der Masse mitschwimmen, nur um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, ich wolle evtl. provozieren?
Das will ich nicht. Ich will an einem ehrlicherem Bild von Caniden mitwirken.
Meiner Erfahrung nach lässt mindestens jeder zweite Besitzer seinen Hund auch rankommen wenn er es eh schon nicht für nötig hält ihn anzuleinen
Meiner Erfahrung nach auch. Das ist echt blöd.
Besonders, wenn mein Hund z.B. unangeleint ist, ich aber grad ne Übung mit dem mache, oder der läufig ist, oder sonstwas, und der andere HH das nichtangeleintsein meines Hundes als Freifahrtschein sieht. Regt mich auch auf sowas, keine Frage.
und natürlich habe ich deswegen Stress (mein Hund sicher auch), weil ich ja jedes Mal vermuten muss, dass ich nun gleich wieder zwei um sich schnappende Hunde auf den Füßen habe (und mir im schlimmsten Fall noch vom anderen Besitzer anhören darf wie "unerzogen" mein Hund doch sei).
Bleibt nur, den anderen Hund blocken, bzw. wegtreten.
Meist hilft aber ein rechtzeitiges harsches, lautes, deutliches anreden des Besitzers, er solle seinen Hund zurückrufen.
Trauen sich leider viele Leute nicht, weil sie nicht unhöflich wirken wollen. Und setzen ihren Hund damit den Belästigungen oder Attacken des fremden unangeleinten Hundes aus. Aber ich finde, dann darf man sich hinterher auch nicht drüber aufregen – wenn man selber nicht agiert hat.
Wodrauf ich hinauswill: selbst WENN dein Hund IMMER zu 1000% im Kommando steht und er NIEMALS unkontrolliert herankommen würde,
Sie stehen nicht im Kommando. Ich erziehe nicht nach der alten Schule.
Sie sind mit ihrer Aufmerksamkeit bei mir. Auch wenn sie irgendwo herumschnüffeln.
Und ja, das sieht man selten, besonders selten bei angeleinten Hunden, weil deren Besitzer oft Erziehung durch Leine ersetzen. Das macht mich traurig.
woher soll ich das wissen, wenn ich dich auf der Straße treffe?
Ich gehe doch erstmal davon aus, dass dein Hund genau so unkontrolliert ist wie viele andere und fühle mich gestresst.
Ja, das ist natürlich blöd, dass du gestresst bist. Aber wie gesagt, ich und meine Hunde sind daran nicht Schuld.
Du weißt es .... IN der Situation, und hinterher. Vorher nicht, klar. Wobei, so klar ist das auch nicht, denn, mal ehrlich, auf den täglichen 0/8/15 Runden trifft man doch immer wieder die gleichen Leute. Und man kennt sich nach kurzer Zeit, und kann sich gegenseitig einschätzen.
Und wenn du mich das zweite Mal triffst, bist du auch nicht mehr gestresst.

So geht es mit Sicherheit auch dem durchschnittlichen Angstpatienten, dem rast auch erstmal das Herz, weil er ja nicht wissen kann wie dein Hund drauf ist.
Ja, das ist Mist. Aber er stirbt davon nicht. UND er macht eine positive Erfahrung. UND er hat jederzeit die Möglichkeit, eine Therapie bei einem Therapeuten anzufangen.
Warum findest du es trotzdem falsch deinen Hund anzuleinen, selbst wenn du WEISST, dass es deinem Gegenüber damit besser gehen würde? Ich verstehe einfach nicht welches dein Pro-Argument ist, mit dem du rechtfertigst, dass du auf die Gefühle anderer keine Rücksicht nehmen musst.
Na, wie gesagt, ich käme nicht voran, wenn ich meinen Hund bei jedem Passanten absitzen und/oder anleinen würde. Und die wenigsten Spaziergänger lassen mich wissen, mit welchen Ängsten sie zu kämpfen haben. Ich hab in den ganzen Jahren gefühlt zwei oder drei erlebt/kennengelernt.
Ich möchte einen flüssigen, geschmeidigen Spaziergang erleben, ohne ständig stocken und anhalten zu müssen, umständlich den Hund anzuleinen, ihn wieder abzuleinen, ... nur um dem Passanten aufs neue zu beweisen, dass Hunde böse sind, und angeleint gehören. Das ist einfach nicht die Message, die ich rüberbringen will. Das tut MIR nämlich im Herzen weh, dass von Hunden so ein schlechtes Bild vorherrscht. Und dieses will ich nicht noch unterstützen.
Es tut mir wahnsinnig leid, dass Menschen Ängste haben, und ich würde ihnen total gerne helfen. Aber ich helfe ihnen nicht damit, indem ich falsche Glaubenssätze untermauere.
"Der tut nix" habe ich übrigens noch nie gerufen.