Na wie gesagt, ohne Leine wäre es vielleicht gar nicht dazu gekommen.
Aber auch wenn ein Hund unangeleint ist, und beißt, muss es ja nicht gleich heißen, dass er sich im Menschen festbeißt, oder ihn zerfleischt.
Sobald die Kontrolle in Form von Leine fehlt, malen sich die Menschen gleich die schlimmsten Szenarien aus.
Wobei wir an dieser Stelle festhalten wollen, dass die meisten Beißvorfälle im familiären Umfeld geschehen. Das aber nur am Rande.
Natürlich kann man auch zu einem unangeleinten beißenden Hund zügig hingehen, und ihn vom Opfer wegnehmen. Wer macht das denn bitte nicht?!
Ich würde das nicht tun. Ich könnte nicht zu einem Hund gehen, der gerade jemanden beißt und ihn da wegholen.
Eventuell bei meinem eigenen Kind, wobei ich da wohl eher aus Panik mit irgendwas draufhauen würde oder so - kann ich nicht genau sagen, ich war nie in einer solchen Situation.
Und ja, es mag sein, dass es ohne Leine nicht dazu gekommen wäre - das kann ich nicht beurteilen, ich war nicht dabei. (Und auch so könnte ich es nicht beurteilen.)
Und man malt sich diese Szenarien aus, zumindest ich, weil ich es in meinem Umfeld erlebt habe.
Eine gute Bekannte hat eine dicke Narbe unterm Auge und auf dem Kopf, da sie als Kind von einem fremden, unangeleinten Hund gebissen wurde.
Solche Beispiele kommen mir automatisch in den Kopf, da kann ich so viel denken, dass mir der fremde Hund ja nichts tun kann, wie ich will - wenn er auf mich zukommt, würde ich am liebsten schreiend wegrennen oder mich verstecken.
Indem man den Hund sozialisiert.
Wenn man sich einen bissigen Hund aus dem Tierheim holt, muss man ihn die erste Zeit eben erst mal mit Maulkorb rumlaufen lassen. Nur der verhindert sicher das beißen.
Ein gut erzogener und sozialisierter Hund lässt sich auch auf Entfernung von Passanten und deren Hunden fernhalten.
Leider gibt es keine Garantie, dass alle, die ihren Hund für erzogen halten, diesen auch wirklich erzogen haben.
Fast wie bei Kindern, man DENKT, es würde dasunddas niemals tun und zack - es tut es doch.
Und wie bringst du dem Hund das bitte bei, dass er niemals! zu anderen Hunden und Menschen (und was es sonst so gibt) hingeht?
Er ist gesetzlich verankert (genau wie die SoKa-Listen) von Politikern, die in ihrem Leben noch nie ein Hundebuch gelesen haben.
Man sollte mehr aufklären. Vor allem über Hundeerziehung.
Wer seinen Hund nicht erziehen will oder kann, oder wer einen sehr schreckhaften oder ängstlichen oder aggressiven Hund hat, der muss natürlich anleinen, keine Frage. Ich bin nicht grundsätzlich gegen das anleinen. Ich bin nur gegen das unnötige, pauschalisierte, per Rechtsgewalt aufgenötigte anleinen MÜSSEN.
Anleinen sollte situationsabhängig und hundeabhängig sein.
Wenn es nicht verankert wäre, würden alle sagen "meiner braucht das nicht!"
Was mich interessiert: wie siehst du das beispielsweise auf Spielplätzen? Sollte man Hunde DA grundsätzlich anleinen?
Hier laufen nämlich viele herum, auch mal frei, was nicht allen Eltern und Kindern schmeckt.
Ich hab auch kein Pferd, aber rege mich auch nicht auf, wenn ne Reitertruppe den gesamten Weg für sich in Anspruch nimmt, und ich zwischen die Bäume springen muss mit meinen Hunden. Die haben genauso ein Recht da zu sein, wie ich.
Obwohl ich kein Pferd besitze, hab ich schon einiges über deren Verhalten gelesen, um mich bei einem Zusammentreffen richtig verhalten zu können.
Über Straßenverkehr lernt man ja auch einiges, selbst wenn man kein Auto hat.
Natürlich, doch man muss ein Interesse dafür haben - hab ich, sonst würde ich hier nicht schreiben und ab und an mal in den Hundebereich reinschnuppern, meine hundebesitzende Verwandschaft befragen oÄ
(nur so als Info, ich gehe längst nicht bei jedem von ihnen gerne ins Haus, es gibt nur einen Hund in der Verwandschaft, wo ich sage, dass ich da keine Angst habe und diesen Hund wirklich vergöttere)
Nur: man muss auch die Zeit dafür haben. So blöd das klingt, wann soll ich neben Kind und Medizinstudium noch Bücher über Hunde wälzen?
Und Theorie und Praxis sind meilenweit entfernt.
Wenn ich weiß, was ein Verhalten theoretisch aussagt, heißt das nicht, dass es bei jedem Hund so zu deuten ist.
Bei dem Hund meiner Oma weiß ich, was er wann wie sagen will. Mit ihm komme ich auch aus.
Trotzdem kann ich in der Praxis bei fremden Hunden keinen Zusammenhang zwischen Gelesenem und gerade gezeigtem Verhalten erkennen - die Angst dominiert.
Konfrontieren tue ich niemanden mit meinem Hund.
Doch, für mich wäre es eine Konfrontation, wenn dein Hund auf mich zukommt und du nicht in "Greifnähe" bist.
Weiß ich, ob du deinen Hund unter Kontrolle hast als Fremder?
Ich signalisiere meist, dass ich gerne Distanz hätte, meistens wird es aber gekonnt ignoriert und ich hole mein "Tierabwehrspray" heraus.
Dann wird meist sofort reagiert.
Natürlich würde ich nicht sprühen, wenn der Hund mir nicht zu Nahe kommt, aber dann realisieren die Besitzer, die vorher auf meine netten Bitten "geschissen" haben, dass ich es wirklich ernst meine und nicht nur pöbeln will.
Eine Beleidigung sollte es nicht sein, nur ein Hinweis darauf, dass hier alles genormt und gemaßregelt und unter Zwang sein muss, damit es angeblich funktioniert. Wenn du nur normkonform lebst (was ich nicht hoffe, und nicht glaube), ist das halt arm.
Was ist daran arm, sich an Richtlinien zu halten?
Sorry, aber das finde ich ernsthaft dreist.
Lebt man nur ein erfülltes und schönes Leben, wenn man auf Regeln scheißt und beim Autofahren mit seinem Handy spielt, um es mal überspitzt zu sagen?
Das mit dem Zigarettenrauch in ne Tüte pusten funktioniert nicht , auch nicht, wenn es eine spezielle Papierfiltertüte ist. Einen Hund zu sozialisieren, und zu erziehen, so dass er nicht für andere gefährlich ist, funktioniert schon.
Und wie? Wieso bekommen es dann manche nicht hin?
EDIT (automatische Beitragszusammenführung)
Off-Topic
Wo genau hast du das gelernt?
Das wurde in unserem "Angst" Seminar im Rahmen der Psychologievorlesungen auch mal angesprochen, ich kann, wenn die Semesterferien rum sind, mal in der Bib nachsehen, wenn es dich oder andere interessiert, ob es dazu fundierte Theorien gibt.
ich muss ja zugeben, dass ich da eher im Anatomiestress war und nur mäßig mitgeschrieben habe.