Dieses Gutachten sollte man durchaus kritisch betrachten. Einige der in dem Gutachten erwähnten Problematiken sind nicht grundsätzlich mit den entsprechenden Merkmalen gekoppelt, sondern kommen dadurch Zustande, dass ohne Wissen (oder bewusst aber mit in Kaufnahme des Leiden der Tiere) vermehrt wird.
Bei vernünftiger Zuchtauswahl können daher viele dieser Problematiken umgangen werden bzw. kommen gar nicht Zustande. Daher sehe ich keinen Grund, diese Merkmale grundsätzlich als Qualzucht zu bezeichnen.
Ich habe mich bislang zwar nicht eingehend mit Nackthunden beschäftigt, aber nach meinem jetzigen Wissensstand würde ich diese nicht generell als Qualzucht bezeichnen.
Ich zweifle allerdings daran, dass es sich bei Nackthunden um einen natürlich entstandenen bzw. seit Jahrtausenden rein natürlich geförderten „Schlag“ handelt. Wie sämtliche Merkmale anderer Rassen entstand die Haarlosigkeit durch eine zufällige Mutation bzw. eine „Laune der Natur“ und Menschen neigen schon sehr lange dazu, solche Merkmale zu erhalten (wenn auch früher nicht derartig bewusst wie heute).
Würde es tatsächlich Populationen haarloser Hunde geben, welche seid Tausenden von Jahren wild oder in menschlicher Nähe, aber komplett unabhängig von diesem (und ohne Zuchtauswahl) leben frage ich mich, warum dies in der Literatur (außer scheinbar in einem einzigen Buch?) keine (oder kaum) Erwähnung findet?
Dass sich Haarlosigkeit unter Straßenhunden findet zeigt nur, dass es unter diesen Hunden Exemplare gibt, die zeitweise ohne Besitzer der sie umsorgt überleben können. Es ist sogar durchaus möglich, dass sich solche Hunde erfolgreich fortpflanzen können. Um über die Erhaltung und den Erfolg der Haarlosigkeit Aussagen treffen zu können müssten solche Populationen aber über mehrere Generationen hinweg beobachtet werden. Da reichen kurze Beobachtungen, dass es solche Hunde auf der Straße gibt nicht aus.
Mich interessiert daher, ob es hierzu tatsächlich seriöse Literatur bzw. Untersuchungen gibt, die Aussagen über dieses Merkmal oder den Gesundheitszustand/Erfolg von Hunden mit diesem Merkmal im Vergleich zu befellten Hunden zulassen. Oder ob es sich hierbei nur um "kurze" Beobachtungen/Interpretationen von Liebhaber dieser Rassen handelt.
Es kann vieles zur Qual für die Tiere werden, wenn falsch damit umgegangen wird. Nicht nur bezüglich der gesundheitlichen Aspekte, auch das Verhalten der Tiere darf nicht außer acht gelassen werden. Dabei ist die Grenze noch viel schwieriger zu ziehen, aber einige Trends halte ich diesbezüglich durchaus für bedenklich.