Meiner bekommt Pansen, Blättermagen und selten mal Leber und der lebt auch noch

. Das ist auch nicht dasselbe, als würde ich "gar keine Innereien" empfehlen. Von Ernährungsberatern halte ich da meist nicht viel, besonders wenn es jene sind, die einem für 100 Euro einen Barfplan verkaufen, den man selbst in fünf Minuten ausrechnen kann. Da gibt es leider viele schwarze Schafe.
Zumal mit Tierarzt und Metzger mit meiner Einschätzung recht geben, dass man mit Innereien lieber ein wenig sparsamer als zu großzügig sein sollte.
Der Innereienanteil basiert auf dem Nachbau des Beutetieres, welches der Wolf theoretisch zu sich nehmen würde. Man geht also davon aus, dass der Hund, wenn er bspw ein Kaninchen erlegt, dabei in etwa diese Prozentmengen an Fleisch, Knochen und Innereien zu sich nimmt.
So genau würde ich das mit den Paralellen allerdings nicht nehmen. Zum einen haben wir schon an vielen Stellen festgestellt, dass Hund und Wolf eben doch nicht ganz dasselbe sind. Zum anderen lässt auch der Wolf Teile des Beutetieres liegen.
Zu den hormonproduzierenden Organen: Da liegt das Problem darin, dass die produzierten Hormone (und/oder ihre Vorstufen) in den entsprechenden Organen gespeichert werden. Einfach gesagt: Frisst der Hund eine Schilddrüse, nimmt er auch Schilddrüsenhormone (bspw Thyroxin) zu sich. Der Hormonhaushalt an sich ist - sofern gesund - aber ein ausgeglichenes System, in das man nicht unbedingt eingreifen sollte. Durch die Fütterung größerer Mengen hormonproduzierenden Organe würde man aber stetig Hormone zuführen, die der Hund eigentlich bereits selbst in ausreichendem Maße produziert. Damit hier also nichts durcheinander kommt, verzichtet man lieber darauf.
Herz und Magen werden in Barfbüchern nicht zu den Innereien gezählt, da sie - wie Kompass schon genauer ausgeführt hat - muskelähnlich sind. Sie enthalten zwar nicht unbedingt eine vergleichbare Nährstoffmenge, weisen aber noch größere Unterschiede zu Innereien wie Leber oder Niere auf, was das angeht. Wenn man so will, haben sie weder die Vorteile von Muskelfleisch, noch die von Innereien. Die Qualität von Herz und Blättermagen/Pansen liegt woanders: Herz führt Taurin zu. Der Hund synthetisiert das eigentlich selbst, jedoch gibt es Studien, die behaupten, kleinere Mengen würden förderlich auf das Herz wirken. Andererseits sollte man eben auch deswegen darauf achten, nicht zu häufig Herz zu füttern. Das gesunde Maß ist - wie so oft - wichtig.
Zu Pansen/Blättermagen hat Kompass ja auch schon geschrieben, dass hier der Mehrwert eher in den Verdauungsenzymen und dem vorverdauten Speißebrei allgemein liegt, weswegen diese Organe auch grün und mit Inhalt und nicht geputzt verfüttert werden sollten. Weißer/geputzter Pansen liefert im Prinzip gar nichts mehr, was der Hund benötigt.
Zu Leber und Niere: Niere erfüllt m.E. gar keinen Zweck, da sie dieselben "Nährstoffstärken" wie Leber aufweist, jedoch in geringerer Menge. Leber allein genügt demnach eigentlich auch. Diese wiederum verfüttere ich eben nur sparsam, da die meisten enthaltenen Nährstoffe in ausreichender Menge über die restliche Ration geliefert werden und man bei zu hoher Menge eine Überversorgung riskiert, die unter Umständen ebenso ungünstig ist wie eine Unterversorgung. Wer eine ausreichende Menge Gemüse, Milchprodukte, rohes Ei und hin und wieder Bierhefe verfüttert, kommt mit recht kleinen Mengen Leber aus.
Ich hatte in fünf Jahren mit geringen Mengen Leber, ohne Milz, Niere und Co. nie Probleme. Mein Hund bekommt von den verfütterten Lebermengen auch keinen Durchfall oder dünnen Kot, wie es andere Hundehalter berichten, die größere Mengen füttern. Der Vergleich zum Wolf in allen Ehren, ich finde ihn selbst hin und wieder passend, um dem Ursprung gewisser Dinge auf den Grund zu gehen. Dennoch ernähre ich nunmal keinen Wolf, sondern einen Hund, der sich - wie Straßen- und Wildhunde beweisen - eher mit menschlichem Müll/Essensresten ernährt als mit eigens erlegter Beute.